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Asche. Man hatte sie angezündet, um jede Hoffnung auf Rück-kehr zu vernichten. Als die Schaaren sich gesammelt hatten,zogen sie nach Genf , wo eben der neue römische Statthaltereingetroffen war, Julius Cäsar . Die Helvetier baten um freienDurchzug. Mit Verhandlungen hielten die Römer sie hin undendlich schlugen sie die Bitte rundweg ab. Die Helvetierversuchten, den Uebergang zu erzwingen, fanden aber einenebenbürtigen Gegner. Sie mussten sich entschliessen, über dieJurapässe zu ziehen; Cäsar aber eilte nach Italien , raffteTruppen zusammen und zog den Helvetiern nach. An derSaöne holte er sie ein, drängte sie ab vom Weg nach Südenund sie zogen gegen Westen, immer den Feind auf denFersen. Endlich, bei Bibralde (unfern Autun ) kam es zumentscheidenden Waffengange. Da mass sich rohe Tapfer-keit mit kriegerischer Disziplin. Bis zum Abend dauerte dieSchlacht, an der selbst Frauen der Helvetier teilnahmen underst die Nacht trennte Freund und Feind. Die Römer hattengesiegt. Von 363,000 Seelen, die hoffnungsfroh aus unsermLande ausgewandert, waren nur noch 111,000 übrig, meistFrauen und Kinder. Cäsar sandte sie in ihre alte Heimat zu-rück und versah sie mit Lebensmitteln. Aber selbst die Mildewar beim Römer nur ein Ausdruck der Staatsklugheit. Erwollte das neu erworbene Grenzland nicht von Bewohnernentblösst sehen, sondern die Helvetier sollten eine schützendeWehre bilden zwischen der nördlichen Grenze Roms und demeigentlichen Italien . Es muss ein trauriger Anblick gewesensein, als der Zug der Heimkehrenden zu den Ruinen ihrer Häusergelangte und manche Träne mag damals den Augen harterKrieger entronnen sein, die noch nie ein Feind weich gesehenhatte. Denn nicht mehr als freie Männer kehrten sie heim,sondern als Untertanen eines fremden Volkes und hinter ihnendröhnte bereits der Schritt der erzgepanzerten Legionen derweltbeherrschenden Roma!
Das Volk der Helvetier ist freilich untergegangen, aberunser Schweizerland hat eine neue, höhere Kulturform in sich
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