Oel-
bäum.
194 Zwote Classe. Erster Abschnitt.
den unter dem Bilde des Oelbaums in der heiligenSchrift herrliche Dinge vorgestellet, wie man zum Be-weist aus dem Buch der Richter Cap. 9, v. r.. 9.Zachar. Cap. 4. Sicach 24. v. 19. Cap. 50. v. i,.Ierem- Cap. 11. v. iL. und andern Stcsten sehenkann. Des OelbergS bey Jerusalem bediente sich un-ser Erlöser öfters, und bey den wichtigsten Verrichtun-gen zu seinem Aufenthalte; und auf dicseui Berge fuhrer »ach seiner Auferstehung gen Himmel.
Der Oelbauni war bey den Heydcn der Miner-va geheiligt; auch habe» sie ihn besonders der Keuschheitgewcyhct, und deßwegen durften bey den Griechen dieOliven nur von keusche» Jünglingen und Jungfrauenabgebrochen Und gesammlet werben. Wenn jemand dieseBaume muthwtlliger Weise beschädigte oder verderbte,so wurde eS wie die Entweihung eines Heiliglhums an-gesehen. Vornämlich aber war chemalcn ein Oclzwcigdas Sinnbild des Friedens, und das Aufstecken einessolchen Zweiges, war eben so viel, als wenn heutzutag«ine wcissc Fahne zum Zeichen des Friedens aufgestecktwird. Als daher die Sidanier den Arraxcrpes umFrieden bitten liessen, so schickten sie fünfhundert Bürgermit Oelzweigen in den Handen zu ihnr. Noch heutigesTags dienet ein solcher Zweig in der Zeichen- Mahlcr-u»d Baukunst, den Frieden damit abzubilden. Auch ge-brauchte man vor Zeiten Oelbaume, um die Gränzen derxstnder damit zu bezeichnen; wovon das Sprichwort:Lxtra oleas vagari, aus den Schranken gehen, oder,die Gränzen überschreiten, entstanden ist.
Die Delbaume wachsen sehr langsam, können aberein hohes Alter erreichen; denn plinius versichert, daßsie nach übereinstimmenden Berichten zwcyhundcrt Jahrealt werden. Neben den Eichen sollen sie nicht fortkom-men können, und hingegen vielmehr die Nachbarschaftdes Weinstocks und der Feigenbäume lieben. Man ziehetsie selten aus dem Saamen oder aus deir Kernen, son-dern mehrentheils durch Pfropfreiser, welche, gleichwie
die