Kapitel II. 28f
ein Gesetz der Guanen wollte, dafs jeder Acliiinencey, dersich erniedrigte, mit seinen Händen eine Ziege zu mel-ken, seinen Adelstitel verlieren sollte. Dieses Gesetz erinnertnicht an die Simplicilät der Sitten des Homerischen Zeit-alters. Man ist erstaunt, vom Anfang der Civilisationan , die nützlichen Arbeiten des Ackerbaus und des Hir-tenlehens zur Verachtung verdammt zu sehen.
Die Guanen, berühmt durch ihre schlanke Taille,waren die Patagonen der alten Welt, und die Geschicht-schreiber übertreiben die Muskelstärke derselben, wieman vor den Reisen von Bougainville und Cordoba demViilkerstamm, welcher die südliche Spitze von Amerika be-wohnt, eine colossale Statur zuschrieb. Ich sähe nur gua-nische Mumien in den Cabinetten von Europa : zu derZeit meiner Reise waren sie sehr selten auf Teneriffa ;man würde indessen eine grofse Anzahl derselben finden,wenn man durch Miniren die Grabhöhlen zu öffnen such-te, welche an dem Östlichen Abhang des Pies, zwischenArico und Guimar , in den Felsen gehauen sind. DieseMumien sind so aufserordentlich ausgetrocknet, dafs dieganzen Küi’per, mit ihren Integumenten, oft nur sechsbis sieben Pfund wiegen, folglich ein Dritttheil wenigerals das Skelett eines Individuums von der nämlichenGröfse, von welchem eben das Muskelfleisch wäre weg-genommen worden. Der Schädel hat in seiner Bil-dung einige entfernte Aehnlichkeit mit dem der weis-sen Rage der alten Aegyptier, und die Schneidezähne sindliey den Guanen abgestumpft, wie bey den Mumien, dieman an den Ufern des Nils findet. Aber diese Form derZähne ist ganz künstlich; und bey der genauen Untersu-chung der Physionomie der alten Canarier haben geschick-te Anatomen *) an den Jochbeinen und dem Unterkiefer
s \) Blumenbach Decas quinta Collect, suae Craniorum dirertarumgentium illustr ., 1808, p. 7. .