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AI.I.GEM. BEMEUK. Ü. L). GEOLOGISCHEN VERHÄLTNISSE DER ALPEN .

schöne Beispiele können das Aostatlial in Piemont, oder die Thäler der Rhone imWallis, des Inn und der Drau in Tyrol erwähnt werden; sie zeichnen sich im allge-meinen durch eine weite, reich bebaute Thalsohle aus; nur durch Versumpfung wirdzuweilen die Fruchtbarkeit beschränkt.

Die Querthäler hingegen befinden sich im Inneren der hohen Gebirgsgruppen.Sie sind kürzer und steigen weit rascher an; eine ihrer vorzüglichsten Eigenthüm-lichkeiten, welche sogleich in die Augen fällt, ist die Abwechselung von langen undstärker geneigten Thalengen und Schluchten mit weiten flachen Becken, welcherings von hohen Bergen kesselartig eingeschlossen sind; ein höchst überraschendesund anziehendes Bild gewähren hier die grünen Thalflächen im Gegensätze zu denbewaldeten dunkelen Bergabhängen und den beschneiten Felsengipfeln im Hinter-gründe. Aehnliche ausgedehnte Mulden zeigen sich sehr häufig auch an den oberstenEnden der Thäler. Sie werden hier von den grossen Schneeanhäufungen der Firn-meere erfüllt, welche für die Existenz der Gletscher so wesentlich sind. Aus ihnenschöpfen jene Eismassen ihren Vorrath, welche in die tieferen Thäler hinabziehen.

Das Profil des Möllthales, in Figur 1 der Tafel V, zeigt das Ansteigen der Thal-sohle eines Querthaies und die Abwechselung der flachen Becken, mit den stärkergeneigten Thalengen. 1 Man sieht hier zugleich eine Erscheinung, welche in allenAlpenthälern wiederkehrt, dass nämlich das mittlere Gefälle des Bodens im allge-meinen steiler wird, je mehr man von der Mündung eines Thaies gegen sein oberesEnde fortscbreitet.

Diese Unterschiede der Neigung werden oft sehr bedeutend. Während das Was-ser in den untersten Theilen der Thäler auf eine Entfernung von 1000 Fuss nureinen Fall von 4 bis etwa 14 Fuss hat, erlangt dasselbe in den höheren Theilen häufig00 bis 80, ja wie im Möllthale selbst einen Fall von 100 bis 120 Fuss. Die Ge-schwindigkeit der Bäche wird dadurch sehr erhöht; sie wirken dann um so mächti-ger auf die Zertrümmerung der Felsen und auf den Transport der Geschiebe. DiesenBemerkungen über das Gefälle der Thäler werden sich wohl am besten einige allgemeineBetrachtungen über die Neigungsverhältnisse der Bergabhänge und der freienGipfel anreihen. 2 Die Neigung dieser Abdachungen bedingt vorzugsweise den Cha-rakter und die äussere Form eines Gebirges, und gerade hierin ist man bei einerflüchtigen Betrachtung der Natur mannigfachen Täuschungen ausgesetzt.

Von den Kämmen, welche sich zu beiden Seiten eines Thaies befinden, ziehensich die Abhänge, bald etwas sanfter geneigt, bald von steileren Stellen und Felsen-wänden unterbrochen, bis zur Thalsohle herab. Ungeachtet dieser verschiedenen Ab-

1) Der Höhenmassstab ist 6 mal grösser als der Längenmassstab. Die Richtung des Durchschnittesist von Südosten nach Kordwesten. Ich habe mir ausnahmsweise erlaubt, dieses Profil aus den Unter-suchungen über« die Thalbildung in Cap. IX unseres früheren Buches hier zu wiederholen.

2) Die näheren Beobachtungen hierüber sind in Cap. II enthalten.