MASSE DES GEBIRGES.
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Wechselungen der Abdachung, welche so sehr den malerischen Eindruck eines Thaieserhöhen, lassen sich doch auf grösseren Strecken sehr deutlich mittlere Neigungenerkennen, welche in verschiedenen Gebirgen sehr constante Differenzen zeigen. Vorallem mache ich darauf aufmerksam, dass man besonders in hohen Gebirgen die Nei-gung der Berge für viel steiler hält als direkte Messungen ergeben. Dieselben habengezeigt, dass die Abhänge zu beiden Seiten der Querthäler an den regelmässigenStellen (mit Ausschluss der schluchtartigen Verengungen) nur eine mittlere Neigungvon 30 bis 35° besitzen. In den weiten Längenthälern beträgt die Abdachung derThalgehänge nicht selten nur 25 bis 20 Grade.
Die auffallendsten Ausnahmen von diesen regelmässigen mittleren Neigungen fin-den durch die Felsenwände statt, welche in manchen Theilen der Alpen in so gross-artiger Entwickelung auftreten. Aber selbst diese sind nicht so steil, als man siemit freiem Auge gewöhnlich schätzt. Die Felsenwände der Jungfrau, welche sichgegen das Grindelwaldthal herabsenken, oder jene am südlichen Absturze des Monte-Rosa gegen den Gebirgskessel von Macugnaga, übersteigen auf grösseren Streckennur sehr selten eine mittlere Neigung von 60 bis 65°. Diese Neigung reicht hin,um auf den Beschauer den Eindruck eines fast ganz vertikalen Abfalles hervorzu-bringen.
An den freien Felsengipfeln endlich, welche oft mehrere tausend Fuss über dieKämme emporragen, werden durchgängig die Neigungen weit bedeutender, als anden Thalgehängen. Die hohen Gipfel der Berner-Alpen, des Monte-Rosa , desMont-Blanc oder des Monte-Viso fallen im Mittel nach allen Seiten mit Neigungenvon 45 bis 50° ab, ja ziemlich häufig findet man selbst 55 bis 60°. Hierdurch ent-stehen die schlanken, kühnen Formen dieser Felsennadeln, welche sie im Gegensätzezu den tieferen Bergrücken so sehr auszeichnen.
Wegen der angeführten flachen Neigungen der Abhänge und der daraus hervor-gehenden grossen Weite der Thäler selbst, befindet sich, wie man leicht einsieht,eine bedeutende Masse von Luft zwischen den einzelnen Bergketten; die Gesammt-menge von festem Gesteine, welche an der Zusammensetzung des Alpengebirges Theilnimmt, ist daher weit geringer, als man bei einer blossen Betrachtung des äusserenUmfanges und der Höhe des Gebirges, ohne Rücksicht auf die zahlreichen weitenThäler im Inneren desselben, voraussetzen würde.
Um eine Vorstellung von der Masse eines Gebirges zu erhalten, kann man sichdasselbe, wie zuerst Alex, on Humboldt gethan, gleichmässig über einen grossenLänderstrich ausgebreitet denken und den Effekt betrachten, welcher dadurch aufdie Höhe dieser Ebenen hervorgebracht würde. Alexander von Humboldt hat inseinen Untersuchungen über die mittlere Höhe der Continente 1 durch Combination
1) Central - Asien. Untersuchungen über die Gebirgsketten und die vergleichende Climatologie. VonAlex, von HuniBOLivr; deutsche Ausgabe von W. Mahlmann. 1844. Bd. I, S. 120 —133.