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AI.LGEM. BEMERK. Ü. D. GEOLOGISCHEN VERHÄLTNISSE DER ALPEN.
der zuverlässigsten Daten gefunden, dass die Alpen, auf Europa verbreitet (304000□ Meilen), die Oberfläche derselben um 3,5 Toisen= 21 Par. Fuss erhöhen würden,während z. B. die Wirkung der Pyrenäen kaum 1 Toise betragen würde.
Mit der Form und Anordnung der Thäler hängt aufs innigste auch die Lage derPässe zusammen. Es sind dieses jene oft sehr bedeutenden Depressionen der Kämme,welche sich da befinden, wo die hinteren Enden zweier entgegengesetzt auslaufendenThäler zusammenstossen. Die grösseren Alpenpässe, welche meistens zwischen 5000und 7000 Fuss liegen, bilden daher tiefe Zerspaltungen der Bergmassen, die seit denberühmten Heereszügen Ilannibals und jenen der römischen Legionen für die Com-munikation und für den Verkehr der Völker von grösster Wichtigkeit waren. Es isthäufig die irrige Ansicht verbreitet, dass man, auf der Höhe eines solchen Passesangelangt, eine umfassende und belehrende Uebersicht der Gebirgszüge zu beidenSeiten gemessen müsse. Aelmliches ist allerdings zuweilen in kleineren Gebirgender Fall, in welchen die Kämme durch ganz einfache, breite, oben ebene Bergrückengebildet werden. In den Alpen jedoch ragen neben den Hauptpässen noch Bergzügevon 3000 ja 6000 Fuss relativer Höhe empor, welche nur selten einen etwas freierenUeberblick gestatten.
Ausser den tiefer liegenden, fahrbaren Alpenpässen, z. B. dem Gotthard , Sim-plon, Mont-Cenis oder dem Brenner, gibt es noch einige weniger bedeutende Ein-schnitte an den höchsten Kämmen. 1 Die Höhe dieser beschneiten und vergletschertenPässe der Hochalpen ist abhängig von der mittleren Erhebung einer Gebirgsgruppeim allgemeinen. Der höshste derselben in dem Gebiete der Alpen ist das Weissthor,in der Nähe des Monte-Rosa , bei 11138 Par. Fuss; der höchste Pass in der Mont-Blanc-Gruppe ist der Col du Geant, 10506 Fuss. 2 Sobald sich die Höhe der Gipfelund Kämme vermindert, sinkt auch jene der Hochalpenpässe herab.
Dieses schöne Verhältniss zwischen der mittleren Erhebung einer Bergmasseund zwischen der Höhe einzelner Theile derselben, z. B. der Gipfel, Kämme, Pässeoder der Thalsohlen, wurde zuerst von Alexander von Humboldt durch zahlreicheBeispiele in beiden Hemisphären erläutert.
Von besonderem Interesse scheint es mir, die bedeutende Höhe der Thalsohlenin jenen Alpengruppen zu erwähnen, in welchen die grösste Massenerhebung statt-gefunden hat. Das grosse Thalbecken von Zermatt (5086'), am nördlichen Fusse desMonte-Rosa (Taf. V; Fig. 4), liegt nur einige hundert Fuss tiefer als der freie, isolirteGipfel des Rigi , ja mehrere kleine, einsame Dörfer erreichen in dem oben genanntenGebirgsstocke ebenso wie im Engadin und in der Oetzthalergletscher- Gruppe Tyrols5800 und 6000 Fuss; der regelmässige Charakter dieser Thäler würde nicht vermu-
1) Vergl. die Ansicht des Urbachsattels und des Weissthores auf Taf. XI.
2) Im Mittel der Beobachtungen von Saussure (10553,3') und Korbes (10458,3 P. F.) =: 1050G P. F.3413 M.