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theii lassen, dass man in gleicher Höhe mit den Bergspitzen an den beiden Ränderndes Gebirges steht, wenn nicht die Veränderungen der Vegetation und das allmähligeAufhören der Coniferenwaldungen uns darauf aufmerksam machen würden, dass wirbereits in die oberen, kälteren Schichten der Atmosphäre emporgestiegen sind.
Bei Betrachtung der oft so regelmässigen Formen der Gebirgszüge und Thäler,welche mit gleichem Typus in den verschiedenen Theilen der Alpen wiederkehren,muss sich wohl dem Geologen die Frage nach den Ursachen darbieten, welchediese Erscheinungen und überhaupt die gegenwärtige Gestalt der Erdoberfläche her-vorgebracht haben.
Man ist jetzt durch fortgesetzte Untersuchungen zu dem Resultate gelangt, dassdieselben durch innere, aufrichtende Kräfte bedingt wurden, während in früherengeologischen Systemen, z. B. in jenen von Buffon und Werner, die Erosion durchFlüsse und durch heftige Meeresströmungen als die vorzüglichste Ursache der Thal-und Gebirgsbildung angesehen wurde. Aber wie sollte ein Alpenthal von dem Gipfeldes Mont-Blanc bis herab nach Chamouni durch die Gewalt des Wassers ausgehöhltworden sein, wie könnte durch die Erosion jener stete Wechsel von weiten Thal-becken mit schluchtartigen Verengungen hervorgebracht werden?
Das wichtigste Moment zur Untersuchung der Gebirgsbildung ist die Stellungder Felsschichten. Während dieselben in den Ebenen nahezu horizontal ausgebreitetsind, sieht man, dass in den Gebirgen die ursprüngliche Stellung der Schichten ver-ändert ist, und dass sie gegenwärtig steil emporgerichtet sind.
Die Beobachtung dieser Lagerungsverhältnisse hat nicht nur gezeigt, dass dieBerge und Thäler durch Hebungen und Senkungen des Bodens entstanden sind, siehat die Geologen auch zu dem glücklichen Versuche geführt, jene Epoche in derGeschichte unserer Erde festzustellen, während welcher ein bestimmtes Gebirge em-porstieg aus der Ebene des flachen Landes odei aus dei Tiefe des Meeresgrundes ^
Man weiss, dass durchaus nicht sämmtliche Gebirge zu gleicher Zeit entstandensind, sondern dass iin Gegentheile einige schon seit sehr frühen geologischen Epocheninselartig aus dem Meere emporragten, während andere erst in verhältnissmässig neuerZeit, ja nicht lange vor dem gegenwärtigen Zustande der Erdoberfläche emporge-richtet wurden. Für die Alpen hat sich dabei ergeben, dass die Aufrichtung undBildung dieses grossen Gebirgssystems m seiner jetzigen Gestalt erst in sehr späterZeit erfolgt war, indem alle Schichten bis auf jene der Tertiärzeit herab hier steilemporgehoben sind, während an manchen anderen Punkten, z. B. in den Vogesen ,im Hundsrück und in Nord-England , nur die ältesten Schichten zu Bergketten auf-gerichtet sind, hingegen alle neueren von diesen Ilebungsprozessen unberührt bliebenund horizontal am Fusse der Gebirge abgelagert sind.
1) Vergl. vorzüglich: Ueber das relative Alter der Gebirgszüge von Kue de Beaumont. Annales desSciences naturelles T- XVIII u. XIX, 1829 u. 1830; und Bulletin de la societe geologique de France,1847; ferner sein wichtiges Werk: Notice sur les systemes des montagnes. 3 Vol. 1852.