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ALLGEM. BEMERK. Ü. D. GEOLOGISCHEN VERHÄLTNISSE DER ALPEN

Structur und Lagerungsverhältnisse der Centralmassen.

Die crystallinischen Gesteine: Granit, Gneiss und Schiefer, bilden, wie ich bereitsfrüher erwähnte, die Mittelzone und die höchsten Theile der Alpen . Um den inne-ren Bau dieser interessanten Centralmassen etwas näher zu erläutern, ist in Fig. 3und Fig. 4 der Tafel V ein Gebirgsdurchschnitt des Mont-Blanc und des Monte-Rosa entworfen. In dem ersteren habe ich mich grossentheils der zuerst von Stcdermit Benützung der Beobachtungen von Saussure, Favre 1 und Forbes 2 gegebenenZeichnung angeschlossen. Die Richtung des Durchschnittes ist von Südosten nachNordwesten.

Die Gruppe des Mont-Blanc wird von tiefen Thälern und Passeinsenkungenumschlossen, während sich im Innern der Granit und Gneiss (auf dem Profile mitRoth bezeichnet) bis zu dem 14809 Fuss hohen Gipfel erhebt, von welchem die ganzeGebirgsgruppe den Namen trägt. Sehr merkwürdig ist die fächerförmige Stellungder Gneisstafeln. In der Mitte stehen sie vertikal; indem sie sich davon entfernen,nehmen sie stets geringere Neigungen an, bis sie zuletzt mit dem Schiefer und Kalkzusammenstossen, welcher auf diese Weise unter die granitischen Gesteine zu liegenkömmt. Um sich den Grund dieser Erscheinung klar zu machen, muss man anneh-men, dass von dem Mittelpunkte der beiden granitischen Massen aus, von dem Mont-Blanc und von den Aiguilles Rouges, ein sehr bedeutender Druck nach denRändern zu ausgeübt wurde; es mussten dann nothwendig die dazwischen liegenden(mit Blau bezeichneten) Kalksteine abgebogen und gewaltsam zusammengepresst wer-den. Aus ihnen besteht jetzt die Sohle der beiden Thäler von Chamouni und vonVal Ferret, während überall in der Höhe die vertikalen Tafeln des Gneisses und derGranit jene steilen scharfen Felsennadeln bilden, welche nirgends in den Alpen inso grosser Anzahl auftreten. Erst an der Aussenseite der Granitmassen sieht mandie Schiefer und Kalksteine in regelmässiger Folge und ungestört über den krystal-linischen Gesteinen liegen.

Ganz verschieden gestaltet sich die Structur des Gebirges am Monte-Rosa . Manfindet ebenfalls eine centrale Masse aus Gneiss bestehend, aber statt der steilen Stel-lung und fächerförmigen Anordnung der Schichten am Mont-Blanc zeigt sich hier,wenn man die Lagerungsverhältnisse an verschiedenen Punkten zusammenfasst, ingrossartigem Maassstabe eine gewölbeartige Biegung derselben.

Auf der Nordwest- und Westseite des Monte-Rosa, im Wallis , fallen die Gneiss-lager stets nach Nordwesten und W. N. W., während auf der entgegengesetzten öst-lichen und südlichen Abdachung, in Piemont , theils Südfallen, theils Südwest- und

1) Bulletin de la soc. geol. de France. He ser. V. 1848. p. 260 und v. Leonh. u. Buonn’s Jahrbuch1849. S. 39.

2) Travels through the Alps of Savoy. 1845.