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STRUCTUR UND LAGERUNGSVERIIALTNISSE DER CENTRAL MASSEN. ] |3

Siidostfallcn herrscht. Diese Bildung des Gebirges kann man allenthalben bis zuden höchsten Gipfeln deutlich verfolgen. Ja, auch noch auf grössere Entfernungin den umgebenden Bergzügen ist die Wirkung dieser gewölbeartigen Biegung derFelsschichten wohl erkennbar. Die Grauen und Grünen Schiefer, welche mit Ser-pentin rings um den centralen Kern von Gneiss in so interessanten Wechselbezie-hungen auftreten, schliessen sich genau an die Fallrichtung der Gneisslager an; ihreSchichten neigen sich ebenso wie diese auf den beiden Abdachungen des Hauptkam-mes nach entgegengesetzten Richtungen . 1

Es wäre eine falsche Ansicht, wenn man glauben würde, dass die höchstenKämme und Gipfel der Alpen immer auf ganz ähnliche Weise durch Granit undGneiss gebildet sein müssten. Obgleich an manchen Punkten, z. B. in der Gruppedes Finsteraarhorns oder in jener des Gotthard , nach den Beobachtungen der vor-trefflichen Schweizer Geologen Studer, Arnold Escher von der Linth und Larry,analoge Verhältnisse Vorkommen, wobei ebenfalls Granit und Gneiss mit steiler,fächerförmiger Schichtenstellung sich zeigen, so setzen doch an anderen Punkten derAlpen , z. B. in den östlichen Theilen von Tyrol und in Kärnthen, zuweilen grauekalkhaltige Glimmerschiefer und Chloritschiefer das Gebirge fast ausschliesslich zu-sammen, und diese Gesteine findet mau noch in den höchsten Theilen dieser Berg-ziige, bis zum Gipfel des Grossglockners; während einzelne Gneisspartieen, welchedort auftreten, ohne vorherrschenden Einfluss auf die orographische Constitutiondes Gebirges sind.

Die Betrachtung der Lagerungsverhältnisse zwischen den krystallini-schen Feldspathgesteinen der Centralmassen und zwischen den anstossendenKalk- und Schiefergebirgen bietet einige sehr wichtige und interessante Er-scheinungen dar. Es findet nämlich in mehreren Theilen der Alpen , wie in den Um-gebungen der Oisans-Masse im Dauphine, im Berner Oberlande, in der Gruppe desMont-Blanc u. s. w. ein theilweises Uebergreifen des Gneisses und des Granitesüber die Secundär-Gesteine statt. Es muss dasselbe wohl als eine Wirkung desgrossen Druckes betrachtet werden, welcher von den inneren Theilen der Central-massen gegen ihre Ränder hin ausging; auch sehen wir daraus, dass das Hervor-treten und die seitliche Ausbreitung dieser Gesteine jedenfalls erst nach der Abla-ireruno' der umgebenden Juraformation stattgefunden haben kann.

1) Um die allgemeine Structur der Monte-Rosa -Gruppe darzustellen, konnte der Durchschnitt aufdem Profile (Taf. VFig. 4) nicht genau auf derselben Pinie fortgefiihrt werden. Von dem Gipfel sollte sichderselbe in das tiefe Thal von Macugnaga herabsenken; um jedoch die regelmässige Folge der Lagerungnicht zu unterbrechen, wurde das Profil über die letzte Spitze des Monte-Rosa , die Vincentpyramidefortgesetzt. Hier schliessen sich nämlich in einem ununterbrochenen Gebirg skamme die Schiefer undSerpentine der piemontesischen Alpen unmittelbar an die centrale Gneissmasse an; ich hatte Gelegenheitbei einem vierzehntägigen Aufenthalte auf einer kleinen verlassenen Erzhütte (der Vincenthütte 9734'),diese Lagerungsverhältnisse an verschiedenen Punkten zu beobachten.

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