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ALLGEM. BEMERK. Ü. 1). GEOLOGISCHEN VERHÄLTNISSE EHE ALFEN.
Die dritte grosse Gesteingruppe, jene der Triasperiode, (Bunter Sandstein,Muschelkalk und Keuper) obgleich gegenwärtig in zahlreichen kleineren Partieen auf-gefunden, ist vorzugsweise in den südlichen Alpen entwickelt. Aus den Mergelnund Kalksteinen im Fassathale, in den Umgebungen von St. Cassian u. s. w. wurdebereits eine grosse Reihe schöner Petrefakte hervorgezogen, welche diese Schichtenals im wesentlichen übereinstimmend mit dem Muschelkalk der deutschen Gebirgedarlegte. Diese Gesteine sind hier mit mächtigen Stöcken von Dolomit vereinigt,einer gelblich-weissen Felsart, welche durch ihre bizarren Formen und die ausge-dehnten steilen Felswände schon aus weiter Ferne erkennbar ist. Sobald man dieCentralkette der östlichen Alpen übersteigt und sich auf der Wasserscheide eines derhohen Tauernpässe befindet, wird man plötzlich überrascht durch die gigantischenkühngeformten Bergmassen, welche sich im Süden erheben.
Das Interesse dieser Gebirge wird erhöht durch das Auftreten von Melaphyrund rothem Porphyr, welche bei ihrer Bildung feuerflüssig waren. Diese Gesteinehaben vielfach die geschichteten Formationen durchbrochen, und einen grossen Ein-fluss auf die Emporhebung und auf die Oberflächengestaltung der südlichen Alpenausgeübt. Es gehörte das Genie und die Beharrlichkeit des grössten Geologen un-serer Zeit dazu, um diese so verwickelten Erscheinungen in ein helles Licht zu setzen.Leopold von Buch , welchem man, seit Saussure die wissenschaftliche Kenutnissder Alpen begründete, die wichtigsten Entdeckungen in der Geologie derselben ver-dankt, hat zuerst diese Lagerungsverhältnisse klar erkannt und dieselben vom süd-liehen Tyrol bis an die Ufer des Luganer-See’s und des Lago Maggiore verfolgt,in deren reizenden Umgebungen sich die mannigfache- Abwechselung der Gestein-arten und das Durchsetzen der Sedimentschichten durch eruptive Porphyre und Me-laphyre auf das schönste beobachten lässt.
Die grösste Ausbreitung unter den Sedimentgesteinen der Alpen besitzen jedochdie Jura- und die Kreideformation. Wer sollte bei dem Namen Kreidefor-mation nicht an die weissen Kreidefelsen der Insel Rügen oder an jene der englischen Küste bei Dover denken, deren steile Klippen so schön mit den blauen Fluthen desMeeres, das sie bespült, contrastiren. Aber man darf nicht glauben, dass die For-mation überall diese nur äusserlichen Kennzeichen behält. In den Alpen z. B. ist siehäufig aus dunklen sandigen Kalksteinen und aus schwarzen Mergeln gebildet, indenen nichts als die gleichen Petrefakte uns von der Identität mit den schönen Ge-steinen der Nord- und Ostsee -Küste überzeugen kann.
Unter den Gliedern der Juraformation sind vorzüglich hervorzuheben: als dasunterste, der Lias, welcher in den westlichen und in den östlichen Alpen, obgleichnicht selten mit sehr abweichenden petrographisclien und auch paläontologischen Cha-racteren auftritt, und durch das erste Erscheinen der Belemniten, durch Ammonitesfimbriatus, A. amaltheus, A. Conybeari u. s. w. bezeichnet wird. Ueber demselbenfolgen der mittlere Jura (Oolith und Oxford ) und der obere (Korallenkalk und