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Querprofil der Thäler.
Dei' grosse Unterschied, welcher zwischen den Thälern der Alpen und zwischenjenen in kleineren, regelmässiger gebildeten Gebirgen, oder zwischen den Erosions-thälern bedeutender Flüsse besteht, macht sich in ihrer äusseren Erscheinung nichtnur durch die grössere Tiefe, sondern auch durch die weit mannigfaltigeren und ver-wickelteren Formen der Alpenthäler bemerkbar. Ihr Querprofil erleidet dadurchmanche Unregelmässigkeiten, welche die Beobachtungen über die mittlere Neigungder beiden Seiten des Thaies erschweren.
Man muss dabei vorzüglich berücksichtigen, dass nicht immer die Längenthäleroder die grösseren Querthäler seitlich unmittelbar- von den Hauptkämmen und Gipfelnbegrenzt werden. Diese letzteren erheben sich nicht selten erst in ziemlicher Entfer-nung von der Thalsohle; diese wird dann durch die Endabdachungen kleinerer Berg-züge eingeschlossen, welche von den Hauptkämmen auslaufen.
ln der beistehenden Figur ist eine ideale Darstellung eines solchen Thaies gege-ben. Auf der Seite ab reicht eine regelmässige Abdachung von dem Kamme biszur Thalsohle herab; auf der gegenüberstehenden Seite hingegen kann nur der Ab-hang cd als die Begrenzung des Thaies betrachtet werden, und eine Linie von demGipfel e zur Thalsohle bei c würde offenbar eine falsche Neigung ergeben. Zwischendiesen secundären Kämmen (cde ), welche sich zur Seite mancher Thäler in ziemlichgrosser Anzahl und Ausdehnung befinden, sind dann kleinere Querthäler verzweigt. 1Man sieht aus den Beobachtungen, welche in der ersten Tabelle vereinigt sind (S. 138),dass die Abhänge zu beiden Seiten der Thäler in den häufigsten Fäl-len eine Neigung von 30° bis 35° haben, so dass die Thäler unter einemWinkel von 120° bis 110° gegen den Himmel geöffnet sind. Selbst inden bedeutenden Verengungen, welche zuweilen in den Querthälern Vorkommen,scheint die mittlere Neigung der beiden Seiten nur selten 40° zu übersteigen. Inden weiten Längenthälern und am Rande der Alpen, wo die Berge niedriger werden,
1) Darstellungen solcher Thalformen linden sich auf folgenden lafeln des Atlas: Taf. VII. Ansichtdes Alpenzuges vom Mont-Cervin bis zum Mettelhorn, lafel XIII. Das Gressoneythal und der Lyskamm.Vergl. auch Untersuchungen u. s. w. Taf. VI. Uebersicht des Venterthaies.