134
BEOBACHTUNGEN ÜBEK DIE NEIGUNGSVERHÄLTNISSE.
und zugleich die Thäler eine bedeutende Breite erlangen, beträgt die Neigung derThalgehänge oft nur 28°, 25° oder 20°. 1
Elie de Beaumont hat bereits früher in einer sehr interessanten Zusammenstel-lung darauf aufmerksam gemacht, dass im allgemeinen die beiden Seiten der Thälergeringe Neigungen zeigen, 2 während durch eine gewöhnliche optische Täuschungdie Thäler auf den Beschauer den Eindruck tiefer Spalten hervorbringen, welchevon steilen Wänden eingeschlossen wären.
Die bedeutende Erweiterung der Thäler in den oberen Theilen ihres Querpro-iiles ist zugleich für die Climatologie der Alpen von grossem Einflüsse. Es bewegtsich in diesen breiten Furchen eine bedeutende Luftmasse und es werden dadurchdie Wechselbeziehungen zwischen der Temperatur der Atmosphäre und jener desfesten Gesteines mannigfach modilicirt. Auch für pflanzengeographische Betrachtun-gen kann es von Nutzen sein, wie wir später sehen werden, eine genaue Vorstellungvon den Neigungsverhältnissen der Abhänge, ihrer dadurch bedingten Besonnung beiverschiedener Exposition u. s. w. zu besitzen.
Vorberge am Rande der Alpen . (5000 — 7000'.)
Die mittlere Neigung dieser grossentheils mit Vegetation bekleideten Berge, welcheaus Kalksteinen, Mergeln und Sandsteinen von sehr wechselnder petrographischerBeschaffenheit bestehen, stimmt im allgemeinen mit jener überein, welche wir fürdas Querprofil der Thäler erhalten haben. Die häufigste Neigung ihrer Ab-hänge, von dem Fusse der Berge bis zu den Gipfeln hinauf, ist 30°bis 35°.
Nur zuweilen treten Felsenhörner auf, wie der Grosse Mythen, das Stockhornbei Bern , das Ettaler Mändl bei Ammergau u. s. w. Das obere Ende solcher Fel-senhörner ist meistens breit abgestumpft, und wird von steileren Wänden, mit einerNeigung von 60 — 70°, umschlossen.
Gipfel der Hoclialpen.
Betrachtet man in Beziehung auf ihre äussere Form die freien Felsengipfel,welche sich mehr oder minder über die umgebenden Kämme erheben, so bemerktman, dass hier die mittleren Neigungen durchgängig weit bedeutender
1) Da ich bei meinen Beobachtungen vorzüglich suchen musste die Maxima der Neigung kennen zulernen, welche das Querprofil der Thäler zeigen kann, so kommen, wie ich später bemerkte, in derTabelle die regelmässigen Thäler, mit sanfteren Abdachungen, weniger häufig vor, als es bei einergleiehmässigeren Berücksichtigung der verschiedenen Arten der Thäler der Fall gewesen wäre.
2) Societe philomatique de Paris, seanees du 29 juillet et du 26 aoüt 1843; mitgetheilt in L’Institut,journal universel des Sciences etc. XI. 1843. S. 293 u. 304. Ein Auszug davon befindet sich in Leonhard’sund Bronn’s Jahrbuch. 1844. S. 103.
Aus den Alpen führt Elie de Beaumont speciell das Chamounithal und das Thal der Allee-Blanche an.