VERGLEICH IHRER FORMEN MIT DEN GLETSCTIERSCIIUFFEX. ] "g
Kämmen einzelne kleine Partieen mit deutlicher Schalenstrnctnr. Diese wenig zu-gänglichen Gipfel sind noch nicht alle genau genug untersucht, um mit Sicherheitüber das Fehlen der allmähligen Uebergänge von den unteren gerundeten und mitSchalen-Systemen bedeckten Abhängen zu den oberen, schroffen Kämmen zu ent-scheiden, während an einigen Punkten derselben und in anderen Theilen der Alpen solche Uebergänge bestimmt vorhanden sind. Die steileren, zackigen Formen unddie Felsennadeln der Kämme sind jedenfalls einem grossen Tlieile nach durch dieVerwitterung hervorgebracht. Auch möchte ich liier an eine für die Alpen über-haupt characteristische Erscheinung erinnern, 1 daran nämlich, dass das Querprofilder Bergketten in den oberen Theilen eine stärkere Neigung zeigt als in den tiefe-ren, und dass sehr häufig steile, felsige Kämme und Gipfel den unteren massenhaftenund sanfter abgedachten Bergen aufgesetzt sind. Man wird zum Beispiel einigeAehnlicbkeit in der allgemeinen Form finden, wenn man das Profil der Berge amUfer des Aargletschers (Fig. 2 Taf. XIV Linie BC der Pause) mit der Abdachung desGabelhornes, vom Gipfel bis an den Fuss des Berges im Zmuttthal (Taf. VII) ver-gleicht, obgleich das Gabelhorn aus Grauen und Grünen Schiefern mit Kalkeinlage-rungen besteht, welche eine sehr regelmässige Schichtung zeigen.
Als Beweis für die Entstehung der gerundeten und geglätteten Formen der un-teren Abhänge durch den Einfluss der Gletscher wurde endlich auch angeführt, dasssich an diesen Abhängen im allgemeinen keine freiliegenden Felsblöcke zeigen, währendman an den oberen Kämmen und Gipfeln zahlreichen cubischen oder plattenförmigenGesteinfragmenten begegnet. Es wurde vorausgesetzt, dass die ehemaligen, ungemeinausgedehnten Gletscher an den unteren Theilen der Berge diese losen Blöcke mit fort-geführt hätten, während dieselben an den oberen Kämmen, welche damals über denEismassen hervorragten, liegen geblieben wären.
Die Gipfel zeichnen sich jedoch in den ganzen Alpen durch eine ungemeinstarke Verwitterung und Zerklüftung aus, und an einzelnen Theilen derselben findetman das Gestein völlig in ein Haufwerk lose aufgeschichteter Blöcke und Tafelnzerspalten; es ist dieses eine natürliche böige ihrer isolirten Stellung, der geringenMächtigkeit der Felsmassen und der grossen Witterungsveränderungen und Kälte-extreme, welchen dieselben ausgesetzt sind. Die tieferen Abhänge hingegen werdendurch ihre Lage, durch einzelne Erdansammlungen und durch die, wenn auch spär-liche Vegetation vor so ausgedehnten Zerspaltungen im allgemeinen etwas mehrgeschützt. Jedoch sind auch die unteren Abhänge der Berge im Macugnaga- undQuarazzathale, oder in den Umgebungen der Grimsel , des Unteraar- und Viescher-gletschers keineswegs von Schutt und von losen Felsblöcken völlig entblösst.
Wenn man wirklich die bedeutende Menge von Felstrümmern auf den Kämmenund die verhältnissmässig geringere Anhäufung der Verwitterungsprodukte auf den
1) Ycrgl. Cap. II. Seite 135.