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TEMPERATUR DER OBEREN BODENSCHICHTEN.

An der Oberfläche der Felsen treten daher im allgemeinen höhere Maximaein als an jener des Schüttbodens und der Erde, weil in den letzteren gerade zurZeit, wo das Maximum der Temperatur eintritt, durch die Verdunstung der Feuch-tigkeit viel Wärme gebunden wird. 1 Auch ist, wie die Beobachtungen auf derVincenthütte erkennen lassen, die Differenz der Extreme, sowohl an der Oberflächeals in den tieferen Schichten bis zu 20 Centim., in dem Felsen grösser als in demgewöhnlichen, feuchten Schüttboden.

4) Die bedeutende Erwärmung, welche die Oberfläche der Felsen und des trocke-nen Schüttbodens zeigt, ist für das Gedeihen der kleinen Hochalpen-Pflanzen,welche sich nur so wenig über den Boden erheben, von grosser Wichtigkeit. Sieerhalten auf diese Weise weit grössere Wärmemengen, als man aus der Betrach-tung der Temperatur der freien Atmosphäre erwarten sollte. Auch sind für vieleVorgänge in der Entwickelung der Vegetation, zum Beispiel für die Blüthenbildungoder die Fruchtreife, nicht nur günstige mittlere Temperaturverhältnisse, sondernauch bestimmte hohe Wärmegrade nöthig; diese letzteren können den kleinen pha-nerogamischen Pflanzen, welche noch an einzelnen Punkten bei 10000 bis 11770 P. F.Vorkommen 2 , nur durch die grosse Erwärmung der Bodenoberfläche in ihrer Nähezugeführt werden.

Die Pflanzen selbst tragen theilweise dazu bei, die Temperatur des Bodens zumodificiren, so dass sie ihrem Gedeihen förderlicher wird. Der sehr dichte Rasen,welchen einige Hochalpenpflanzen, zum Beispiel Cherleria sedoides, Cerastium lati-folium, Saxifraga oppositifolia u. s. w. bilden, beschränkt sehr wesentlich das Eindrin-gen des Wassers in den Boden; derselbe ist unter diesen Pflanzen bei weitem nichtso sehr mit Feuchtigkeit angefüllt, als da wo er nicht von Vegetation bedeckt wird.An der Phanerogamengrenze wird das den Boden befeuchtende Wasser vorzüglichdurch Schmelzen des Schnees geliefert; die dünne Schneedecke schmilzt gewöhn-lich rasch, und über den dichten, meist etwas geneigten Rasen läuft dann dasWasser grösstentheils ab. So werden hier die Erdschichten von dem Eindringendieses kalten Wassers geschützt und weniger erkältet, als die von Vegetation ent-blössten. Auch wird in diesen letztem bei der Verdunstung des reichlich ange-häuften Wassers ebenfalls wieder Wärme gebunden, und auch dadurch bewirkt, dassbei gleicher Insolation die trockenen, wenn auch mit Vegetation bedeckten Stellenetwas mehr über die Temperatur der Luft sich erwärmen. Es scheint demnach indiesen grossen Höhen in Folge der häufigen Befeuchtung des Bodens, insbeson-dere durch schmelzende Schneelagen, die Temperatur auch im Mittel unter dem Ra-sen wärmer zu sein, als in dem freiliegenden (feuchteren) Schüttboden.

1) Nur an sehr trockenen kleinen Erdansammlungeu, zum Beispiel an solchen, die nur eine dünneLage auf Felsen bilden, bemerkt man höhere Maxima als an der Oberfläche unbedeckter Felsen.

2) Vgl. Cap. VII und Untersuchungen Cap. 21.