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keinen Schnee und kein Eis tragen können, aber weit über die ewige Schneegrenzehinausragen, noch behaftet gesehen und dergleichen Beobachtungen sind ganz neuer-lich durch die fleissigen und sorgsam beobachtenden Gebrüder Herren DoctorenSchlagintweit mit grösserem Detail als früher auf den Central-Alpen wohl be-festigt worden. Aus all diesen Beobachtungen ist immer noch einstimmig das Re-sultat hervorgegangen, dass das organische Leben nach den Polen und nach denvon der Erdoberfläche ausstrahlenden Endspitzen der Hochalpen aller Länder hinallmälig zurücktrete und in allen seinen, zuerst in den grösseren, dann auch in denkleineren Formen verkümmere, zuletzt ganz verschwinde. Auch die unter dem Ae-quator, wo die Schneegrenze sich über 16000 Fuss über das Meer erhebt, in 17100Fuss Höhe von Alexander von Humboldt beobachteten Lebensformen warendort sammt dem noch höheren Condor unter Ausnahmsverhältnissen. „Von senk-rechten Luftströmen getrieben, heisst es, verirren sich jene Schmetterlinge dahin,wohin unruhige Forschgier des Menschen sorgsame Schritte leitet und sie beweisen,dass die biegsame animalische Schöpfung ausdauert, wo die vegetabilische längstihre Grenze erreicht hat.“
Meine fortgesetzten Untersuchungen geben mir Gelegenheit, auf eine bisherunbekannte ansehnliche Reihe von Lebensverhältnissen aufmerksam zu machen unddieselbe als fortdauernde Erscheinung zu bezeichnen, welche dem organisch-thierischen Leben einen noch weiteren Horizont giebt.
Wo der Mensch nicht mehr der rauhen Natur widersteht, vermögen noch ge-wisse Nadelholz-Arten, sogar gewisse niedere Palmen in den Aequatorial - Alpen,üppig und ausschliesslich zu gedeihen, welche nie gedeihlich tiefer oder in wärme-rem Klima leben. Wo kein Nadelholz mehr gedeiht, leben noch Rhododendrum,Vaccinium und Salix -Arten auf unsern Alpen mit Lust und Ueppigkeit. Bisher hatman immer mit Vorliebe die höchsten und den Polen nächsten Standorte solcherLebensformen beachtet, die mit uns gleiche Lebensbedingungen haben und die unserfreuen und nutzbar sind. Das allmälige Verkümmern und kümmerliche Bestehensolcher Formen als Krüppel und Zwerge hat den Eindruck verstärkt und befestigt,dass das Leben überhaupt jene Grenzen habe. Man hat bewundert, dass Sileneacaulis mit 9 bis 10 Arten anderer Phanerogamen in Höhen über 10000 Fuss in derSchweiz noch gesehen werde; unter dem Aequator steigt Cactus Opuntia Ovallei(vergl. Humboldt Ansichten der Natur 1849, II. 177) bis auf 12820 Fuss Höhekrüppelhaft auf. Dr. Adolph und Hermann Schlagintweit sagen S. 593 ihresWerkes über die europäischen Central-Alpen 1850 aus eigener Erfahrung: „DieMenge der Arten und Varietäten (von Flechten), bis jetzt zwischen 40 und 45 Arten,welche sich in den Alpen noch von der äussersten Phanerogamen-Grenze bis zu14809 P. Fuss finden, ist nicht unbedeutend. Jedoch ist diese Vegetation nur auf sehrwenige hervorragende Felsen beschränkt und rings von ausgedehnten Schneemassenumgeben. Die einzelnen Individuen sind gewöhnlich sehr klein, nur kümmerlich