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290 BEOBACHTUNGEN ÜBER DIE TÄGIJCITEN VERÄNDERUNGEN DER TEMPERATUR.

Abweichungen von der allgemeinen Form des täglichen Temperaturganges. Da dieseAbweichungen sehr wesentlich auch die Zeit des Temperaturmaximums betreffen, willich schon hier einige der Störungen besprechen, die bisweilen, besonders an einzelnenTagen, den Gang der Wärme an hohen Punkten verändern können.

Einflüsse auf die Wärme, welche die absolute Höhe allein, getrennt von demEinflüsse der Bodengestaltung, der Schneeanhäufungen u. s. w. hervorbi’ingt, könnenzunächst nur von dem Barometerstände und der Feuchtigkeit abhängen.

Durch die "Verminderung des Luftdruckes wird die Transmission der Wärme-Strahlen begünstigt und zugleich die specifische Wärme der Luft vermindert; dabeides in Beziehung auf die resultirende Erwärmung im entgegengesetzten Sinnewirkt, so wird der Einfluss des Luftdruckes als solcher nur sehr unbedeutend sein.Ferner werden Luftmassen, die mit einer höheren Temperatur und daher mit eineraufsteigenden Kraft aus der Tiefe empordringen, oben ausgedehnt, und dadurchwird ein nicht unbeträchtlicher Theil ihrer frühem Wärme latent.

Der Wasserdampf scheint für die Wärmeverhältnisse der obern Regionen vongrösserer Wichtigkeit. Durch die häufigen Condensationen (Thau-, Nebel- undWolkcnbildungen) wird in den höheren Regionen eine Wärmemenge frei, welche inden unteren bei der Entstehung des Wasserdampfes gebunden wurde. Könnte manannehmen, dass die ganze Menge des oben condensirten Wassers nur solches wäre,welches an der unmittelbar darunter liegenden, tieferen Oberfläche verdunstet ist, sowäre der dadurch hervorgebrachte Wärmeunterschied nicht unbedeutend. DieBewegungen der Atmosphäre und die Wärmevertheilung in horizontaler Richtungbewirken aber, dass der bei weitem grössere Theil des in den höheren Regionencondensirten Wasserdampfes aus wärmeren Climaten durch südliche AY inde zuge-führt wird. Es ist daher die Wärmebindung in den tieferen Theilen der Alpen kei-neswegs dem Freiwerden der Wärme in den oberen Regionen gleich; die oberenwerden verlniltnissmässig mehr durch Condensation erwärmt, als die unteren durchVerdunstung erkältet.

Der Col du Geant und das Grosse Plateau zeigen jedoch noch andere Abwei-chungen im Gange der täglichen "Wärme, die ganz verschieden von jenen sind,welche durch die eben erwähnte Ursachen hervorgebracht werden können. Hier istwohl der Umstand von grossem Einflüsse, dass beide, besonders die Beobach-tungsstation auf dem Grossen Plateau, von mächtigen meist schneebedeckten Erbe-bungen umgeben sind. Dadurch geschieht es, dass ein grosser Theil der Wärme-strahlen, welcher diese so stark reflectirenden Oberflächen trifft, nach abwärts in dieMulden an ihrem Fusse zurückgeworfen wird, und dort beitragen muss die Tempe-ratur der Luft zu erhöhen. Diese Art von Temperaturerhöhung ist wesentlich vonjenem regelmässigeren Einflüsse unterschieden, den schneefreie Oberflächen auf dieWärme ausüben. Während letztere in den Vormittagsstunden nur ihre eigene Temperaturerhöhen und erst nach der Culmination der Sonne ihre Wärme ausstrahlen, aber