294 BEOBACHTUNGEN ÜBER DIE TÄGLICHEN VERÄNDERUNGEN DER TEMPERATUR.
den, das nur von schneebedeckten Wänden gebildet ist; also etwa ein Punkt in denoberen Theilen des Firmmeeres am Fusse eines nach Süden exponirten steilenSchneekammes. Ein solcher Punkt wird während des Tages relativ zu warm, wäh-rend der Nacht zu kalt, weil er nun von dem nach abwärts gerichteten kaltenStrome getroffen wird. Dieser absteigende Strom wird aber fast immer aus eineranderen Richtung kommen als die reflectirte Wärme während des Tages 1 .
Weder der Col du Geant noch das Grosse Plateau scheinen bedeutendenStrömen ähnlicher Art ausgesetzt zu sein.
In Beziehung auf die Vincenthütte bleibt noch jenes Erwärmen nach 2 h p. m.,an dem die Sonne noch keinen Antheil hat, zu erklären.
Die Betrachtung der Temperaturabnahme nach der Höhe zu den einzelnen Stun-den, die wir sogleich specieller untersuchen werden, lässt leicht erkennen, dass dieTemperatur an der Vincenthütte während der ersten Hälfte der Nacht local erkaltet,dass sie demnach kälter war, als die freie Atmosphäre in ihren Umgebungen. Hörtein den späteren Stunden der Zufluss der kalten Luft von den Umgebungen auf, somusste die seitliche, wärmere Luft allmählich die Temperatur dort erhöhen. Esist nach dieser Betrachtung nicht nöthig, dass die Erwärmung bis zum Sonnenauf-gänge selbst fortdauere; es lässt sich allerdings an manchen Localitäten, wo dievorhergegangene Temperaturdepression nicht so bedeutend war, eine Erwärmungdurch örtliches Zutreten der Luft beobachten, das nur kurze Zeit währt, währenddarauf der Beobachtungspunkt an dem allgemeinen Sinken der Temperatur derLuft bis zum Sonnenaufgang wieder Theil nimmt.
Die Schnelligkeit der Abnahme der Temperatur in den einzelnen Stunden,oder was dasselbe ist, die veränderliche Höhendifferenz, um die man sich erhe-ben muss, um eine bestimmte Temperatur-Differenz zu finden, - 1 —-, erlaubt
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uns zu beurtheilen, ob ein Punkt, verglichen mit den mittleren Verhältnissen füreine gegebene Stunde zu „warm“ oder zu „kalt“ ist.
Da ein isolirter Berggipfel, welcher rings von der freien Atmosphäre umgebenist, bei Tage sieh weniger erwärmt, des Nachts weniger erkaltet als die Oberflächedes festen Bodens in Ebenen oder Thalsohlen, so lässt sich als allgemeiner Typuserwarten, dass die Abnahme bei Tage rascher ist als des Nachts. Man kann mit
1) Auch die Johannishütte zeigte Nachts, verglichen mit Heiligenblut , eine viel raschere Tempe-raturabnahme, als diese Stunden gewöhnlich ergaben. Es scheint, dass Nachts, als der Gletscherwind,d. h. das Abiliessen kalter Luft längs dem Gletscher, auf hörte, eine weniger intensive aber allgemeinerverbreitete Senkung kalter Luftmassc eintrut, die zwar dem Gletscherthalc folgen musste aber zugleichsich seitlich viel weiter verbreitete.