456 BEOBACHTUNGEN ÜBER DIE ATMOSPHÄRISCHE FEUCHTIGKEIT.
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Auch dann noch, wenn man selbst innerhalb einer dünnen Wolkenschicht steht,lässt sich diese eigenthümliche Beleuchtung durch reflectirtes Licht, das von un-ten kommt, erkennen, wenn sich in dieser Richtung grosse besonnte Wolkenflä-chen befinden.
Der grössere oder geringere Glanz der Wolken ist zugleich in engen Thälernhäufig das erste Zeichen davon, dass die Wolken anfangen sich aufzulösen, indemdie Beleuchtung der Flächen von seitlich gelegenen Wolkenliicken abhängig ist.
Die Dicke der Schichtenwolken beträgt nicht selten 800 bis 1200 Fuss, bis-weilen ist sie noch grösser.
Einzelne Cumuluswolken erreichen oft eine sehr grosse Höhe: Am 27. Aug.sah ich, vom Wege zum Theodulpasse aus, zahlreiche Cumulus mit Ostwind über denMonte-Rosa wegziehen; einige, die etwas tiefer waren, streiften nur wenig unter-halb der Höchsten Spitze vorbei. Die Wolkenmasse, die am Weissthorpasse aufTafel XI gezeichnet ist, war eine grosse Haufenwolke, die von Osten her über denPass wegzog; in einiger Entfernung hatte sie sich ganz gerundet und wohl be-grenzt gezeigt, während sie, wie alle ähnlichen Wolken, in der unmittelbaren Nähegesehen weit unregelmässiger gestaltet war und zahlreiche halb losgetrennte Massenerkennen liess.
Als parasitische Wolken finden sich kleine Cumulus an warmen Tagen an derSchattenseite unmittelbar auf den höchsten Alpengipfeln bei 13000 bis 14800 Fuss;ihrer Entstehung ist es sehr günstig, wenn die Luft ziemlich reich an Feuchtigkeitund sehr durchsichtig ist. Wenn die Durchsichtigkeit gemindert ist, so ist die Strah-lung nicht lebhaft genug, um, selbst bei grösserer Feuchtigkeit der Atmosphäre, dieBildung parasitischer Wolken zu bewirken.
Die höchsten Wolkenformen sind die Fe der wölken; sowohl die Schäfchenund Windbäume 1 , als auch die feinen flachen Cirri , die von grossen Höhen gese-hen häufig eine netzförmige Abwechslung mehr oder weniger dichter Stellen zei-gen, befinden sich nicht selten in Höhen von 16000 bis 18000 Fuss.
Die Höhe einer kleinen Cirrusgruppe, welche am 20. August 1851 Abends überdem Monte-Rosa stand, fanden wir noch nahe 8 Minuten (genauer 7,5') beleuchtet,nachdem die höchste Spitze des Monte-Rosa bereits vom Erdschatten erreicht war.Dies lässt auf eine Höhe von über 24000 Fuss schliessen. Bravais mass in Lyon eine Cirrusgruppe, die 10000 Meter hoch war. Bei Beobachtungen in den Ebenenscheint dies wohl die Grenze der deutlich erkennbaren Wolken zu sein. Aber inden Hochregionen der Alpen lassen sich bisweilen ganz feine, aber doch bestimmtbegrenzte Wolken erkennen, die entschieden höher sind. In den Ebenen dürften
1) Kleine Schäfchen, die sich mit grosser Schnelligkeit bewegten, sind in der Ansicht 2 der Taf. XVund Fig. l X'af. XX abgebildet; auf Xaf. XII, der Ansicht des Macugnagagletschers, zeigt sich ein sehrgrosser Windbaum, der bei N.W.AVind entstand. Fig. 2 Xaf. XX zeigt die Proiilansicht einer sehr grosseuJlaufenwolke, die sich von Osten nach Westen bewegte.