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BEOBACHTUNGEN ÜBER DIE ATMOSPHÄRISCHE FEUCHTIGKEIT.
das angefasste Ende wurde zugleich abgerissen. Mit einiger Vorsicht gelingt esleicht, die Temperatur auch des feinen Regens eben so gut zu bestimmen, als jenedes Regens im Ombrometer; bei starkem Regen haben wir häufig beide Arten derBeobachtung angewandt und uns von der Richtigkeit der Angaben auch bei demletzteren Verfahren überzeugt. Auch der Umstand scheint die Richtigkeit des Ver-fahrens zu bestätigen, dass wiederholte Versuche sehr übereinstimmende Resultategeben. —
Die Temperatur des Regens ist zunächst abhängig von der Wärme des Regenbringenden Windes und von der Temperaturveränderung, die er während des Her-abfallens durch Verdunstung oder durch Condensation erfährt. Westliche und süd-westliche Winde, die bei uns vorzugsweise die Regen bringenden sind, gehörenzugleich zu den warmen Winden; es wird daher die Anfangstemperatur des Re-gens stets einen kleinen Ueberschuss über die Wärme jener Luftschichten ha-ben, durch deren Mischung die Condensation des Wasserdampfes erfolgt; die be-deutende Menge der frei werdenden Wärme trägt ebenfalls dazu bei, die Tempe-ratur der Regenwolken zu erhöhen. Diese Verhältnisse kommen nur dann unmittel-bar zur Beobachtung, wenn die Temperaturbestimmung sehr nahe der Regenwolkegemacht wird. In einigen der folgenden Beobachtungen dürfte die grosse absoluteHöhe und die geringe Entfernung von den Wolken als die wesentliche Ursache desoft sehr merklichen Wärmeüberschusses des Regens betrachtet werden.
Während des Ilerabfällens ändert der Regen seine Temperatur, theils weil erstets wärmere Schichten trifft, theils durch Verdunstung und Condensation. Dieziemlich bedeutende Schnelligkeit des Herabfallens, die bei starkem Regen an derOberfläche der Erde fast lOOFuss in der Secunde beträgt, schwächt sehr wesentlichdie unmittelbare Mittheilung der Temperatur aus den verschiedenen Luftschichten;die gleichzeitige Condensation der Feuchtigkeit auf den Regentropfen, so lange seineTemperatur unter dem Tliaupunkte liegt, der bei Regen gewöhnlich mit der Luft-wärme gleich ist, trägt dagegen dazu bei, die Erwärmung während des Ilerabfal-lens zu beschleunigen.
Ganz im Allgemeinen lässt sich erwarten, dass die Temperatur des Regensetwas niedriger als jene der Luft ist, so lange dieselbe noch nicht mit Feuchtigkeitgesättigt ist, indem dann eine Verdunstung des Regentropfens während des Her-abfallens fortdauert. Auch bei sehr heftigen Regengüssen, wenn zugleich die Tem-peraturabnahme sehr rasch ist, also besonders bei den tropischen Regen, wird we-gen der grösseren Geschwindigkeit und wegen der Wärmedifferenz der unteren undder oberen Luftschichten ebenfalls die Regenwürme unter der Luftwärme bleiben 1 .Sehr feine und lange anhaltende Regen stimmen gewöhnlich mit der Luftwärme naheüberein; mässig starke hingegen sind in unseren Breiten, und besonders in den hö-