VERÄNDERUNGEN DES HORIZONTES.
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Am schönsten konnten wir dies Phänomen am Taglioferro, 2907 M. 9132 P.P.,erkennen. Es stand unserer Hütte in geringer Entfernung gegenüber, zugleich pro-jicirte sich seine Spitze auf die lombardisch -piemontesische Ebene.
Da unsere Hütte 600' höher war, hätte der Horizont mit geringen Schwankun-gen stets oberhalb des Taglioferrogipfels bleiben müssep^ Doch geschah es unge-mein selten, dass er ihn überhaupt nur erreichte; gewöhnlich war der scheinbareHorizont Morgens unmittelbar nach dem Aufgehen der Sonne 2 bis 3 Grad tiefer,reichte aber gegen 9 Uhr, wo die Durchsichtigkeit eine günstigere zu sein schien,bis nahe an den Gipfel selbst hinauf; nur selten übertraf er ihn. Gegen Mittag hin-gegen bis gegen 2 oder 3 Uhr wurde der Berg scheinbar immer höher und also diesichtbare Grenze des Horizontes uns immer näher gerückt. Die scheinbare Erhö-hung des Berges erreichte zu dieser Zeit nicht selten 5 bis 6 °. Gegen Abend schiendie Grenze des Horizontes wieder ziemlich gleichmässig bis zum Sonnenuntergangzu steigen.
3. Ueber das Alpenglühen und die relative Helligkeit der Schneeflächen.
Jeder Gegenstand, der in östlicher Richtung liegt, hört auf von den Strahlender untergehenden Sonne beleuchtet zu sein, wenn derselbe bei dem allmähligenEmporrücken des Erdschattens von der oberen Grenze desselben, also vom Däm-merungsbogen, erreicht wird. Dadurch wird nicht nur seine absolute Helligkeit ver-ändert, sondern auch die relative; er hebt sich jetzt dunkel von der Luft im Hin-tergründe ab, während stark reflectirende Flächen, wie helle Kalkwände, schneebe-deckte Abhänge, bedeutend heller sind als die Theile des Firmamentes im Hinter-tergrunde, so lange sie unmittelbar von den Strahlen der Sonne getroffen werden.
Eine merkwürdige Ausnahme zeigen bekanntlich die Schneemassen der Alpen-gipfel. Hat der Erdschatten sie erreicht, so verschwindet das Abendroth von den-selben, und auch sie heben sich jetzt entweder dunkel vom Hintergründe ab, odersie scheinen, ungeachtet der an sich sehr hellen Farbe ihrer Oberfläche', sich kaumvom Firmamente zu unterscheiden 1 .
Wenige Minuten später beginnen aber die Flächen sich wieder hell vom Hin-tergründe abzuheben, während gleichzeitig die allgemeine Helligkeit rasch ab-nimmt. Es ist dies die Erscheinung der zweiten Färbung, die bisweilen auch Al-
1) Eine ähnliche annähernde Gleichheit in der Helligkeit des Himmels und der Schneeflächen lässtsich auch im Winter an schneebedeckten Dächern u. s. vr. beobachten; sie sind bisweilen an ganz trü-ben Tagen so nahe gleich hell mit der Luft, dass die dunkeln Kamine fast ohne Basis erscheinen. Ge-wöhnlich ist aber doch ein kleiner Unterschied vorhanden, der besonders dann deutlich wird, wenn mandas seitliche Licht vom Auge abhält, indem man durch eine ltöhre sieht.
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