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ÜBER EINIGE OPTISCHE ERSCHEINUNGEN DER ATMOSPHÄRE.

pengliihen 1 genannt wird, obwohl sie sich weniger durch die Lebhaftigkeit desLichtes und der Farbe, als durch dessen Gleichmässigkeit und durch seinen Gegen-satz, gegen den tief violetten Hintergrund auszeichnet. Ueberdies ist die Farbe derSchneeflächen jetzt keineswegs entschieden roth, sondern von mehr grauer, fastschwach metallisch glänzender Art. Ich finde daher die Bezeichnung „zweite Fär-bung“ besser als „Alpenglühen“, da bei der letztem sehr leicht die wunderbarePracht, in der bisweilen die Berge im Lichte der untergehendeu Sonne erglänzen,mit diesem sehr verschiedenen Phänomene verwechselt wird. Der Ausdruck zweiteFärbung, „seconde coloration“, ist in den französischen und piemontesischen Al-pentheilen die gewöhnliche. Am Mont-Blanc z. B. werden, nach den ganz passen-den in Chamouni gebräuchlichen Bezeichnungen, an ganz normalen Tagen folgendeAbstufungen unterschieden:

1. Die „Coloration du Mont-Blanc“ bei Sonnenuntergang, die brillante rotheFärbung, welche in den deutschen Alpentheilen „Alpenglühen“ heisst. Wegen deserweiterten Horizontes für hohe Gipfel dauert dort die directe Sonnenbeleuchtungnoch etwas fort, während die unteren Theile des Berges und die Thäler bereits imSchatten sind. Der beleuchtete Berggipfel trennt sich mit sehr bedeutender Hellig-keit von dem ebenfalls noch direct beleuchteten Firmamente im Hintergründe.

2. Die „Teinte cadavereuse“, das Erbleichen, dessen Anfang mit dem Momentezusammenfällt, in welchem der Dämmerungsbogen mit dem Gipfel des Montblancdie gleiche Höhe erreicht hat. Jetzt geht der Gipfel 2 bis 5 Minuten dunkel gegenden Hintergrund ab. (Wenn der Himmel etwas bewölkt ist, tritt in der relativenHelligkeit keine weitere Veränderung ein.)

3. Die „Resurrection du Montblanc“, die zweite Färbung. Die Schneeflächenheben sich entschieden wieder hell vom Hintergründe ab, und nehmen eine metal-lisch glänzende, nicht immer ins Röthliche spielende Farbe an.

4 a. Darauf folgt entweder die „Extinction“, das Erlöschen, wobei der Gipfelallmählich mit dem Hintergründe gleiche Helligkeit annimmt und während der (mond-losen) Nacht kaum zu sehen ist, oder

4b. eine „Lueur nocturne“, das nächtliche Glänzen, wobei der Gipfel währenddes grössten Theiles der Nacht hell vom Himmel abgeht. Dieses letztere ist vonder Stellung der Sonne unabhängig; es zeigt sich sowohl in den östlich gelegenenTliälern, Val Ferret und Allee blanche, als es auch bei bedecktem Himmel eintretenkann, wenn, was bisweilen geschieht, die Wolkenhöhe so bedeutend ist, dass einbeträchtlicher Theil der etwas unterhalb des Gipfels gelegenen Firne, z. B. an denGrands Mulets, während der Nacht im Thale sichtbar bleibt.

1) Das brillante Alpenglühen ist immer mit directer Beleuchtung der Berge verbunden. Durchdie unregelmässige Vertheilung des Wasserdampfes geschieht es nicht selten, dass die Sonne selbst ansolchen Tagen weniger roth ist, indem dann die das Licht färbenden Massen der Wasserdämpfe mehrin östlicher als in westlicher Dichtung vom Beobachter liegen.