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ÜBER EINIGE OPTISCHE ERSCHEINUNGEN DER ATMOSPHÄRE.
Im Wallis wurde 1851 im Winter eine ähnliche Erscheinung an den Flächender schneebedeckten Abhänge des Rhonethaies bemerkt 1 .
Während des Aufenthaltes von Agassiz auf dem Pavillon wurde mehrmals eineeigentümliche Helligkeit des Gletschers, der hier nahe 100 Meter tiefer liegt, be-merkt 2 . Yom Pavillon aus gesehen lag die hellste Stelle unmittelbar am Ufer; alsman aber auf dem Eise selbst umherging, lag die hellste Stelle zu den Füssen desBeobachters, also an jener Stelle, die dem Auge am nächsten war.
Man sah die Erscheinung am deutlichsten, wie zu erwarten, in recht finsterenNächten.
Die hier angeführten Erscheinungen weisen sehr deutlich auf ein Selbstleuchtendes Schnees durch Phosphorescenz hin. Schnee und Eis, besonders das letztere ingrossen Stücken, phosphoresciren zwar schwach, aber ganz deutlich, wenn sie beieiner Temperatur von mehreren Graden unter 0 dem Licht ausgesetzt und dann inein dunkles Zimmer gebracht werden. Das Licht scheint ein bläuliches zu sein.
Auch Placidus Heinrich hat bei seinen zahlreichen Unsersuchungen über diePhosphorescenz der verschiedenen Körper das Eis untersucht und schwach phospho-rescirend gefunden 3 .
Auch während des Winters 18 52 / 53 hatte ich in Berlin öfter Gelegenheit, eineHelligkeit des Schnees im Grossen zu beobachten, welche deutlich auf eine Phos-phorescenz desselben hinzuweisen scheint, besonders am 27. Februar 1853. In derStadt war es ungemein deutlich, dass die Dächer bei einem ganz grauen und gleich-förmig bedeckten Himmel hell vom Hintergründe sich abhoben 4 . Um ein etwaigesMitwirken der Beleuchtung in den Strassen auszuschliessen, begab ich mich diesenAbend nach Schöneberg , wo um 9 p. m. die (verhältnissmässig grosse) relative Hel-ligkeit des Schnees sowohl auf den Dächern als auf der Ebene sehr deutlich war.Die Erscheinung trat jedoch während des ganzen Winters verhältnissmässig sehrselten ein, keineswegs in jeder ganz bedeckten und dunkeln Nacht. Eine plötzlicheBewölkung, der noch wenige Stunden vorher eine lebhafte Insolation vorhergegan-gen ist, auch starke Kälte in der Nacht, während der Schnee vom Tage her etwasmit Wasser durchdrungen ist, was jetzt gefriert, scheinen besonders günstig zu sein.Dagegen gelang es mir nie diese Helligkeit zu beobachten, wenn kurz vordem Ein-treten der Nacht noch ein frischer Schneefall stattgefunden hatte, obwohl der ganz
1) Cosmos, Revue encyclopedique 1852 S. 356.
2) Vergl. Desor, Nouvelles excursions S. 169 — 172.
3) Placidus Heinrich über die Phosphorescenz der Körper. Wegen des ungemein schwachen Lichtespliosphorescirender Körper (Dröper Phil. mag. 6 ser. 81 — 101 schätzte es beim Chlorophon nur auf
des Lichtes einer schwachen Oellampe) ist es nöthig, dass der Beobachter selbst im dunkeln Raumebleibt und die zu untersuchenden Körper mit möglichst sorgfältigem Ausschliessen andern Lichtes eiti-schieben lässt.
4) Auch Herr Prof. G. Wiedemann, den ich bat darauf zu achten, hatte es in dieser Nacht und imLaufe des Winters noch dreimal, aber weniger deutlich gesehen.