Band 
[Textband.]
Seite
513
JPEG-Download
 

ZUSAMMENSTELLUNG MIT DEN CLIMATISCIIEN VERHÄLTNISSEN.

513

nur einen sehr geringen Einfluss auf die Tiefe, welche derselbe erreicht; noch we-niger ist diese von einer bestimmten Jahresisotherme abhängig. Die Enden desGrindelwald- und des Bossongletschers zeigen, dass das Mittel des wärmsten Mo-nates nahe —}—16° C. erreichen kann; das Jahresmittel -J— 6,5 1 .

Die primären Gletscher im Allgemeinen enden aber bei einer Jahrestemperatur,die für die westlichen Alpen -[-3 bis 4° C., für die östlichen nahe -j-1 bis 0° ist;also bleibt, verglichen mit den extremsten Tiefen, ein Unterschied in den ersterenvon mehr als 2° C., in den letzteren über 5° C.; die Enden der seeundären Glet-scher liegen noch weit höher.

Man sieht demnach, dass in den wenigsten Fällen die Temperatur am unterenEnde der Gletscher das Aufhören derselben unmittelbar bestimmen kann.

Um das Minimum der Wärme zu beurtheilen, bei welchen Gletscher aufhören,können wir die höchsten Enden 200' bis 300' tiefer als die Schneegrenze annehmen.Es herrscht dort eine Jahrestemperatur von —4 bis —5° C. Im Mai ist die Tem-peratur noch unter 0; im Juni -|-2 bis 3 3 C., Juli -j-o 0 C., August 4,5° C., Sep-tember —}—0,5 ° C. 2 .

Bei näherer Betrachtung der einzelnen Gletscher, welche die höchsten und jenerwelche die tiefsten Enden haben, lässt sich eine gewisse Gesetzmässigkeit allerdingserkennen. Das Gletscherende steigt zu Isothermen herab, die um so wärmer sind,je steiler die Neigungen der Gletscher sind, je grösser seine Oberfläche ist.

Die Neigung wirkt dabei durch die Beschleunigung der Bewegung, also durchvermehrte Zuführung von abschmelzender Masse. Die Grösse der Oberfläche wirktdurch die Verstärkung der nach abwärts gerichteten Luftströmung, des Gletscher-windes , welche gegen das Ende des Gletschers gerichtet ist. Die localen Verände-rungen der Temperatur und der Feuchtigkeit an dieser Stelle sind unter übrigensgleichen Umständen der Oberfläche proportional.

Der Einfluss der Insolation ist viel bedeutender als jener des Contactes zwi-schen Luft und Eis. Er lässt sich auf dem Gletscher selbst sehr deutlich erkennen,indem Stellen, die vor der Insolation geschützt sind, Gletschertisehe, Moränenu. s. w., sich sehr rasch über die allgemeine Oberfläche erheben. Bei Gletschern,die eine ost-westliche Richtung haben, kann man auch regelmässig beobachten, dassdie Schattenseite stets merklich höher ist als die Sonnenseite.

Einzelne Gletscher erreichen das Niveau des Meeres in der nördlichen Hemi-sphäre auf Island bei 64)° Breite, in der südlichen Hemisphäre (nach Darwin 3 ) imGolf von Pennas im Feuerlande bei 46 40 4 ; die Temperatur des wärmsten Monates

1) Der Bossongletscher hat wohl relativ zur Wärme den extremsten Stand; er steigt zu der wärm-sten Isotherme herab, wie die Wärmeverhältnisse in den Umgebungen des Mont-Blanc , verglichen mitden übrigen Alpentheilen, erkennen lassen.

2) Vergl. Taf. XXI.

3) D’ARCHrAC, Progres de la geologie I p. 281.

4) Westl. Länge von Greenwich 75° 20'.