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514 VERBREITUNG UNI) AUSDEHNUNG DEK GLETSCHER IN DEN VERSCHIEDENEN ALPENGRUPPEN.

ist in Island und im Feuerlande bei 40° 40' ziemlich gleich, nämlich 10 bis 12° C.Diese Gletscher sind also unter noch weniger extremen Wärmeverhältnissen alsdie tiefsten in den Alpen , ein Clima mit geringen Extremen und reichlichen Nie-derschlägen im Winter begünstigt auch hier ihr Auftreten. Die verticale Entfernungdes Gletscherendes von der Schneegrenze ist in Island nur 3000', im Feuerlandewohl über 4000’.

Die Gletscher in höheren Breiten sind weniger steil geneigt und bewegen sichzugleich weniger schnell; auch dies lässt erwarten, dass sie sich, wie man in derThat überall gefunden hat, nur wenig von der Schneegrenze entfernen und auch imSommer nur geringer Wärme ausgesetzt sind. Unter den Gletschern des hohenNordens sind es jene von Norwegen , welche den wärmsten Temperaturen wider-stehen müssen.

Von besonderem Einflüsse ist die Condensation der atmosphärischen Feuchtigkeitan der Oberfläche des Eises. Eue de Beaumont hat zuerst darauf aufmerksamgemacht 1 , wie sehr die dabei frei werdende Wärme auf die Zerstörung von Eis-massen einwirkt, indem so der Dampf Eis bis zum 7- und Sfachen seines Gewichtesin Wasser verwandeln kann.

Bei einer Betrachtung der climatischen Verhältnisse wird der Einfluss des Was-serdampfes noch besonders wichtig, indem so Schnee- und Eismassen geschmolzenwerden, ohne dass eine entsprechende Depression der Lufttemperatur dadurch her-vorgebracht wird.

Ein Cubikmeter Luft bei 5° C. und 550 M. M. Barometerstand 2 enthält beivollkommener Sättigung mit Wasserdampf über 5 Grammen Wasser; es sei nun dieseLuft nicht gesättigt, sondern es liege vielmehr der Thaupunkt bei 3°. Wird sicdurch Berührung mit einem Körper von 0° ihres Wassers beraubt, bis sie bei die-ser Temperatur (von 0°) gesättigt ist, so wird die bei der Condensation des Dam-pfes frei werdende Wärme hinreichen, 4 bis 5 Cubikcentimeter Eis auf einer Ober-fläche von einem Quadratmeter zu schmelzen; ja, da weder Eis, noch weniger derSchnee eine ganz compacte Masse ist, sondern vielfach von lufterfüllten Blasen undCanälen durchzogen ist, so kann diese Abtragung wohl erwartet werden, wennauch ein Theil der frei werdenden Wärme nicht dem-Eise, sondern der Luft mit-getheilt wird.

Müsste, wenn diese Quantität von Wasserdampf condensirt wird, auch einCubikmeter Luft von 5 bis 0 0 C. erkaltet werden, dann wäre allerdings der Ein-fluss des Wasserdampfes verhältnissmässig gering; denn schmilzt auch die Luft unter

1) Mem. de l’Acad. Par. LXXI p. 726.

2) Diese Grössen entsprechen den mittleren Verhältnissen in der Nähe der Schneegrenze. Die freiwerdende Wärme des Wasserdampfes (die sich für kleine Temperaturunterschiede nur sehr wenig ändert)ist =606,5, die latente Wärme des Wassers = 79,25, die spccifische Wäune der Luft im Verhültniss711 jener des Wassers = 0,267 angenommen worden.