Band 
[Textband.]
Seite
539
JPEG-Download
 

ÜBERSICHT DER FORMATIONEN.

539

hin die unteren Abhänge des Gebirges zusammensetzen. Ob der Marmor., welcheran verschiedenen Theilen der weiter rückwärts und höher gelegenen Abhänge desSonnenberges, des Piirstlingkopfes u. s. w. ansteht, die unmittelbare Fortsetzung derSchichten an der Falken wand bildet, konnte ich nicht entscheiden.

Das Liegende und das Hangende der Marmorschichten lässt sich, ungeachtetder verwickelten Lagerungsverhältnisse, durch vergleichende Beobachtungen an ver-schiedenen Punkten mit hinreichender Bestimmtheit erkennen.

Ueber den Marmorschichten folgt, im Allgemeinen mit sehr steilem Nordfällen,der weisse obere Alpenkalk, welcher an den Laberköpfen, ebenso wie am Kofel undin seiner westlichen Verlängerung ansteht, und stellenweise dieselben kleinen Ko-rallenreste enthält, wie auf der Zugspitze . Das Liegende des Marmors ist zwarim Graswangthale durch die breite schutterfüllte Thalsohle vielfach der Beobachtungentzogen; man findet jedoch etwas weiter rückwärts im Thale zwischen Graswang und den Linderhöfen deutlich als Unterlage des Marmors dunkele blaugraue Mergelund Kalksteiue, welche sowohl nach der Gesteinsbeschaffenheit als auch nach den,allerdings nicht sehr zahlreichen Petrefaktenresten, den Schichten des unteren Liasim Lalmewiesgraben zu entsprechen scheinen. Noch tiefer als diese mergeligenSchichten liegen dann die Dolomite des unteien Alpenkalkes, welche südlich vomGraswangthale an der Noth, am Kiihnjoch und am Kuchelberg in einem breitenZuge mit wechselndem Schichtenfallen anstehen.

Auch an dem östlichen und südöstlichen Fusse des Ettaler Männdl’s, im Eschen-loher Loch, tritt als Grundlage des weissen und röthlichen Terebratel-Kalkes einStreifen der mergeligen Schichten des unteren Lias hervor.

Die letzteren enthalten hier:

Cardium austriacum Hau., wie am Wetterstein.

G ervillia inflata Schafii. ; es kamen nur wenige schlecht erhaltene Exemplare vor.Nucula complanata Phill., undlveste von Avicula, Lima u. s. w.

Aus den angeführten Lagerungsverhältnissen geht also hervor, dass die Kalk-und Marmorschichten zwischen dem unteren Lias und dem oberen Alpenkalk ein-gereiht werden müssen. Unter den organischen Einschlüssen sind vorzugsweise cha-racteristisch zahlreiche. Terebratel-Reste, welche das Gestein stellenweise erfüllen 1 ;es liessen sich nach den Bestimmungen von Suess erkennen:

Rhynchonella Hörnesi Suess.llhynchonella variabilis Sciilth.

Eine nähere Parallelisirung mit einer speciellen Juia-Etage scheint mir für jetztnoch nicht möglich.

1) Sehr zahlreich findet man diese Terebrateln in zerstreuten Felsblöcken auf der Jägerrast amliauhhühel hinter Graswang.

08 *