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ÜBER DAS KAISERGEBIRGE .

Es verdient hervorgehoben zu werden, dass ähnliche Erscheinungen in denhohen Kalk- und Dolomitketten der nördlichen Alpen überhaupt ziemlich häufig sind.Als schöne Beispiele können angeführt werden die verschiedenen kleinen Gipfel,welche sich mit einer relativen Höhe von 100' bis 300' über dem obersten Kammder Zugspitze erheben 1 , ferner die verschiedenen Gipfel und steilen Einzahnungendes langen Wettersteinzuges bei Partenkirchen und des ihm gegenüberstehendenKahrwendelgebirges bei Mittenwald 2 .

Fig. 1 der Taf. XX enthält die Ansicht des Wesberges, der Achsel und derTreffauerspitze; der Standpunkt ist bei den „Bauernhöfen am Hinterkaiser“; eszeigt demnach hier das Gebirge seinen nordwestlichen Abfall gegen das Innere dergrossen Mulde. Diese Seite des Gebirges zeichnet sich durch ungemein schroffeund zerrissene Formen aus. Die mächtige fortdauernde Wirkung der Verwitterungauf die kahlen Felsmassen kann man hier vielfach beobachten. Die Stellen, an wel-chen erst in neuerer Zeit eine Lostrennung grösserer Gesteinmassen statt gefundenhat, sind durch ihre hellere röthliche Farbe schon aus der Ferne erkennbar. Einigeder auffallendsten Punkte wurden auf dem Deckblatte durch F, F, F (— Felsstürze)näher bezeichnet. Durch diese wiederholten Lostrennungen sind an mehreren Stellenausgedehnte Schutthalden entstanden, welche mit einer sehr regelmässigen Neigungvon 30 bis 35 ° den Fuss des Gebirges umgeben.

Der niedrigere Berg, welcher der Masse des Kaisergebirges vorliegt, ist derGemsberg. Seine sanfteren bewaldeten Abdachungen tragen wesentlich dazu bei,den eigenthümlichen Charakter des kahlen und schroffen Hochgebirges noch mehrhervorzuheben.

Von dieser Seite kann man die höheren Gipfel desselben wegen ihres steilenAbfalles nicht erreichen, sondern nur von Süden aus.

Ich erlaube mir, hier einige Bemerkungen über den Weg beizufügen, welchenwir einschlugen, um auf die höchste Spitze des Treffauerkaisers zu gelangen.

Der beste Ausgangspunkt schien mir Bärenstadt, eine Capelle mit einemeinzelstehenden Hause. Wir verliessen diesen Ort am 8. September Morgens6 Uhr 3 und gingen über die Schliesslingerhöfe nach der Kaiseralpe. Von hier ausverfolgt man bis über die Buchengrenze hinaus den tief eingeschnittenen Weg-scheidgraben. Der Weg wendet sich hierauf etwas weiter nach Osten und führtüber mehrere, steil abfallende Felsenterrassen, „Stufen oder Stiegen“ genannt, zuden letzten bewachsenen Abhängen des Treffauerkaisers, welche als Schafweidenbenützt werden.

1) Yergl. die Bemerkungen über die Neigungsverhältnisse dieser kleinen Gipfel Cap. II. s. 141.

2) Die angeführten Kämme der Zugspitze , des Wettersteins und des Kahrwendelgebirges bestehenaus dem festen Oberen Alpenkalk.

3) Ich war begleitet von meinem Bruder Emil Sciilacintwbit und dem I iihrcr Mathias Örgek ausNcuberg bei Kufstein .