Band 
Erster Theil. Sphärische Astronomie.
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Einleitung.

«^ast alle Künste und Wissenschaften, dft den ganzen Reichthum menschlicher Kennt-O nisse ausmachen, sind periodischen Verändrungcn unterworfen; alle steigen und sin-ken abwechselnd; einige haben ihren Kreislauf bereits mehr als einmal vollendet. DieZeit ihres Entstehens, ihrer Kindheit, ihres männlichen, und leider auch ihres znr Kind-heit wider herabsinkenden hohen Alters, last sich bey den meisten mit ziemlicher Ge-nauigkeit angeben. Zu ewiger Dauer weder bestimmt noch geschickt, empfingen sie erstspät, durch irgend einen glücklichen oder unglücklichen Zufall, ihr Dasevn, erreichten inlängerer oder kürzerer Zeit ihre mittägliche Höhe, von der sie, um neuen Gestirnen andiesem Firmament Raum zu geben, zum abendliche» Horizont sich neigen. Nun sin-ken sie in ewige Nacht, bringt ein neuer Morgen, unter einem günstigern

Himmelsstrich, sie der ihrer nun bedürfenden Erde zurück. Manche gründen ihr mißli-ches Daseyn auf den veränderlichen Zustand der Erde und ihrer Bewohner, auf diedermalige Stufe der Kultur oder des Luxus, ja selbst auf die Schwachheiten und La-ster der Menschen: sie können daher nur kurze Zeit dauern, oder nur wenige, und nichtden edelsten Theil der Menschen beschäftigen. Andre, in der Natur selbst gegründet,mit ihr von gleichem Umfange, gleicher Würde und gleicher Dauer, können nur mitdem Weltall veralten und vergehen.

Aus diesem Gesichtspunkt scheint die Sternkunde den ersten Rang unterallen Wissenschaften zu verdienen. Sie ist es, die uns die Natur im großen, die Ein-richtung des ganzen unermeßlichen Weltgebandes kennen lehrt, und daher mit demWeltall gleiche Würde, Ausdehnung und Dauer bat: sie allein kann uns erhabeneund richtige Begriffe von Ordnung, Grösse und Ewigkeit geben. Wenn es eine un-sers Geistes würdige Beschäftigung ist, die Natur des kleinsten Wurms, der kleinstenPilanhe zu untersuchen — welche Bemühung kann dann edler seyn, als den Plan zuerforschen, nach dem der Schöpfer sein großes Gebäude aufgeführt hat, das Gesetzbuchzu schreiben oder zu entziffern für die Bewegungen so vieler Millionen Himmelskörper,die mannigfaltigen Abwechslungen im großen Kreisläufe der Natur auf die entferntestenZeiten vorauszusagen, und ihren einfachen Mechanismus zu begreifen — kurz in dasInnerste des grösten und heiligsten Tempels der Gottheit einzudringen! Was ist derMensch gegen die mit Billionen lebender Geschöpfe bevölkerte Erde! was ist die Erdegegen die Millionen Körper unsers Sonnen-Systems! was ein Sonnen-System ge-gen das Sternen-Heer, womit der Himmel besäet ist!- wie verschwindet ihre ganzeZahl gegen die unzähligen Sterne der Milchstrasse! und wie viele ähnliche Schrittemüste man vielleicht noch thun, um sich von den Theilen zum Ganzen zu erhebe!'!Wir, die wir gewohnt sind, Stunden und Tage zu verschwenden, wie Scheidemünzein dem eingebildeten Reichthum unsers kurzen Lebens, können ganze Menschenaltcr kaum

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