5. A. I. C.
-59
dieser Unterschied desto weniger von der Entfernung des Beobachters vom Erd-Mittel?punkt herrühren, da er der Wirkung der Parallaxe, die die Sterne erniedrigt, geradecntgegengcsezt ist: man muste daher auf eine andre Ursache dieser Erscheinung denken,und so entstand die Entdeckung der Strahlenbrechung, die so wie die Bestimmung ihrerGröße und ihres Gesetzes, den Fixsternen ihr Daseyn verdankt. Sobald diese Entdeckunggemacht war, sobald mau gefunden hatte, daß die Strahlenbrechung in gleichem Maaßeauf alle Sterne wirken muffe, wie gros auch ihre Entfernung von der Erde sey: so liessich das Gesetz der Strahlenbrechung auch leicht auf die Planeten anwenden,, und derTheil der Total-Aendrung ihrer scheinbaren Höhe, der sich daraus nicht erklären lies,diente dann zur 'Bestimmung ihrer Parallare. Man, verbesserte ihre beobachtete Höhedurch die Strahlenbrechung, und diese verbesserte.Höhe war die durch die Parallaxeallein geänderte, woraus sich diese herleiten lies.
h- 2Z2. Wenn man die Entfernung zweyer Fixsterne zu verschiednen Tageszeiten,also in verschiednen Gegenden des Himmels mißt, so findet man sie bald größer baldkleiner. An eine eigne Bewegung der Fixsterne kann man, um diese Erscheinung zuerklären, schon deswegen nicht denken, weil sie eine tägliche Periode hat und sich genaunach der Höhe der Sterne richtet, so daß man an jedem folgenden Tage 'in gleichenHöhen genau dieselben Unterschiede wider findet. Diese Erscheinung ist am auffallendsten,wenn mau einen Stern der nicht untergeht, und einmal nahe beym Zenith, das andreMal nahe beym Horizont durch den Meridian geht, mit solchen Sternen vergleicht,die dem Pol sehr nahe sind, also ihre Höhe wenig ändern: man wird ihre Entfer-nung beym erstem Durchgänge fast um ! Grad größer finden, als beym leztern. DieseErscheinung bringt demnach die niedrigen Sterne dem erhabnen Pole naher, erhöhet siealso, da hingegen die Parallaxe sie erniedrigt. Ausserdem ist ihre Wirkung bey allenSternen, ja selbst bey dem Monde und den Planeten, die nehmliche, ohne im gering-sten durch ihre so sehr verschiednen Entfernungen geändert zu werden, da hingegen dieParallaxe von der Entfernung abhängt. Diese Erhöhung der Sterne äuffert eine sehrbekannte und in die Sinne fallende Wirkung, aus die Sonne und den Mond am Ho-rizont. Schon mit bloßen Augen bemerkt man, jdaß ihr sonst kreisrundes Bild amHorizont elliptisch wird, und die Mikrometer zeigen, daß der horizontale Durchmesserum 4' bis z, größer ist als der vertikale. Man sieht leicht, wie sich diS dadurch erklärenlast, daß diese Wirkung, gleich der Parallaxe, in größer» Höhen abnimt. Der untreRand wird nämlich mehr erhöht als der obere, folglich dem obern genähert, indes derrechte und linke Rand um gleich viel erhöht werden, ihre Entfernung also nicht merklichändern. Da der Durchmesser der Sonne etwa Z2' beträgt, so folgt hieraus, daß dieStrahlenbrechung in der Höhe von 32' um mehr als 4' kleiner ist als im Horizont,woraus erhellt, daß sie sich weit schneller ändert als die Parallaxe. Beyde Erscheinungenfolge» also ganz verschiednen Gesetzen, und müssen ganz verschiedne Ursachen haben.
§. 2gg. Die eben angeführten Erfahrungen bewiesen hinlänglich, daß diese Wirkungvon der Höhe der Sterne abhing; allein genauere Beobachtungen, die man in der Folgeanstellte, zeigten, daß sie sich bey gleichen Höhen doch von Zeit zu Zeit etwas änderte,und daß Diese Acndrung mit dem verschiednen Zustande der Atmosphäre genau zusam-
meiching