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menhing. Dis muste natürlich auf den Gedanken leiten, daß jene Erscheinung selbsteine 'Wirkung der Luft sey. Schon die alten Astronomen erkannten den Einfluß der Luft,oder vielmehr der Dünste, auf die astronomischen Phänomene; aber dem vorigen, undbesonders dem jetzigen Jahrhundert war es vorbehalten, diese Sache zu ergründen. Zueben der Zeit, da man Sonne und Mond in länglichter Gestalt siebt, ist ihr Licht soschwach und röthlich, daß man mit bloßen Augen ohne Schwierigkeit in die Sonnesehn kann: der Sonnenrand ist wellenförmig und zittert, und die Fixsterne haben amHorizont eine verschobene Gestalt. Lauter Erscheinungen, die sich nur aus den am Ho-rizont dichteren Dünsten erklären lassen. Nichts war daher wahrscheinlicher, als daß auchjene Erhöhung der Sterne eine Wirkung der Luft sey. Nachdem mau die Natur derLuft genauer untersucht, und erfahren hatte, welche große Wirkungen sie hervorzubringenim Stande sey, konnte man kein Bedenken tragen, ihr auch diese Wirkung zuzuschreiben,die sich mit der Luft zugleich ändert. Daß die Luft auch besonders auf die Lichtstrahlensehr merkliche Wirkungen äussre, davon haben wir unter andern ein Beyspiel an derDämmerung gesehn. Die Sache ward endlich durch unzählige Erfahrungen völligausser Zweifel gesezt, die sämmtlich beweisen, daß ein Lichtstrahl, bey seinem Eintritin'eine dichtere oder dünnere durchsichtige Materie, von seinem vorigen Wege abgelenktwerde: eine Sache, die die Alten sehr ant wüsten, und die jezt dem Unwissendsten be-kannt ist. Ein im Wasser stehender Stab sieht aus als wenn er zerbrochen wäre: dasBild des unterm Wass.r befindlichen Theils macht mit dem übrigen Theil keine geradeLinie, sondern eine» merklichen Winkel- Die Lichtstrahlen, wenn sie aus Luft in Wasser,oder in Glas, :c. treten, oder umgekehrt, werden von ihrem vorigen Wege abgelenkt,oder wie man es nennt, gebrochen. Da nun die Luft immer dünner wird, je weiterman sich von der Erde entfernt, so muste man schlicffen, daß auch der Lichtstrahl aufseinem Wege durch die Atmosphäre, da er beständig in dichtere Luft trit, gebrochenwerden müsse: und man fand bald, daß sich alle jene Erscheinungen vollkommen darauserklären lassen.
§. 2;g. Dis ist es, was man die astronomische Strahlenbrechungnennt, deren Daseyn von den Alten bereits gekannt, oder vielmehr nur geahnct ward:ihre Beobachtungen waren zu unvollkommen, um gewis zu seyn, wie viel auf Rech-nung der Strahlenbrechung oder der Beobachtungs-Fehler zu schreiben sey. Tychobrachte durch seine vollkommeneren Werkzeuge und genaueren Beobachtungen, die Sachezur Gewißheit. Kepler gab die erste Anleitung zu den Versuchen, die zur Kenntnisdieser Natur-Wirkung, nämlich der allgemeinen optischen Theorie der Strahlenbrechung,die mit der physischen Theorie nicht zu verwechseln ist, führten, und veranlaßte dadurchdie wichtigsten Erfindungen in den optischen und astronomischen Wissenschaften.
§. 2zs. Da man das Daseyn dieser Wirkung durch Beobachtungen entdeckthatte, so muste man auch die Gesetze, denen sie folgt/dadurch erforschen. Wenn mandie Refraktion für jede Höhe von o bis 90° durch Erfahrung bestimmt hat, so kannman eine Refraktions r Tabelle entwerfen, aus der sich ihr Gesetz entwickeln läst. Umaber diese weitlanftige Arbeit abzukürzen, und die kleinen Fehler zu entdecken, die beyden Beobachtungen unvermeidlich sind, wäre es von sehr großem Nutzen, dieses Gesetz
durch