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Zweytes Capitel.
Berichtigung der Keplerschen Theorie durch die den Massen pro-portionale Attraktion.
§. 46. Um einen festen Körper in Bewegung zu sehen, braucht nicht aufjeden Theil besonders qewirkt zu werden: es ist eine Kraft dazu hinlänglich, die unmit-telbar nur an einem Punkt des Körpers angebracht ist; dieKohäsiou der übrigen Thei-le wird ihnen dieselbe Bewegung mittheilen. Indem näm ich der Punkt, au dem die Kraftangebracht ist, in Bewegung gesezt wird, widerstehn ihm alle übrigen Elemente des Körpersvermöge ihrer Trägheit, und jeder solcher Widerstand mus durch einen Tbeil der Kraftüberwunden werden: die Kraft mus sich nun durch den ganzen Körper vertheilen, undehr kann die Bewegung nicht erfolgen, als bis alle Theile in gleichem Grade beschleu-nigt werden. Die Beschleunigung des ganzen Körpers und jedes einzelnen Theils wirdalso desto geringer, je mehr Theile oder Masse der Körper enthält, auf welche die be-wegende Kraft vertheilt werden mus; oder die Beschleunigung einer Kraft, die unmit-telbar nicht auf jeden, sondern nur auf einen bestimmtenTheil des Körpers wirkt, ist derbewegten Masse umgekehrt proportional (H. 5.). Da nun die cjuanrit^ morrix, oderder Druck des bewegten Körpers, der Geschwindigkeit und der Masse proportional ist(§. 9-), so ist in diesem Falle der Druck oder die Größe der Bewegung von der Mas-se unabhängig, und immer von gleicher Größe, der Körper mag groß oder klein seyn.Eine solche Kraft kann auch nicht allgemein auf alle Körper wirken, und wenn imAnfange der Bewegung ein Theil vom Körper getrennt würde, an dem die Kraft nichtunmittelbar angebracht ist, so würde derselbe in Ruhe bleiben. Eine solche Kraft kannendlich nicht auf flüssige Körper wie auf feste wirken: ist der flüssige Körper sich freyüberlassen, so wird bloß derjenige Theil, anf den die Kraft unmittelbar wirkt, der Be-wegung folgen, und sich von den übrigen, die zurück bleiben, losreissen.
Diese Schlüsse lassen sich auch umkehren. Eine Kraft, bey der von allen diesenErscheinungen das Gegentheil Statt findet, wirkt auf jedes Element der Körper, aufjed 6 Theilchen der Materie, mit gleicher Stärke, und ist an jedem unmittelbar ange-bracht : und dis ist der Fall mit der Schwere. Die Kohäsion der Tbeile hat auf dieBewegung der festen Körper nicht den geringsten Einflus: zwei, Württl von Bley falleneben. so schnell, als wenn sie in einen zusammen geschmelzt werden: eine doppelt, zehn-fach so große Masse Bley oder Gold oc. wird eben so beschleunigt wie die einfache;und überhaupt alle Körper, wie groß oder klein, wie schwer oder leicht sie seyn mögen,fallen gleich schnell, wie nicht allein die Versuche im luftleeren Raume zeigen, sondernauch die in der Luft angestellten, wenn man den Widerstand der Luft dab y in Rech.nuna zieht. Die Beschlennianna der Schwere ist demnach nicht im umgekehrten Ver-häl'nis der Massen, sondern h n allen Massen alci b. Hieraus foltt, daß die bewegen-de Größe der Schwere, der Druck oder das Gewicht der schweren Körper, ihrer Mas-se