Band 
Dritter Theil. Physische Astronomie.
Seite
88
JPEG-Download
 

88

Phps. Mroii.

Bey feste" Körpern ist es nicht nothwendig, daß die Kraft an jedem Elementunmittelbar angebracht werde: wegen der Kohäsivn der Theile wird eine Kraft, die mireinen Punkt unmittelbar trifft, sich über den ganzen Körper vertheilen, mithin alle Ele-mente desselben beschleunigen; damit aber diese Kraft auf alle Elemente gleichförmig,»der ihren Massen proportional vertheilt werde, ist es nicht gleichgültig, an welchemPunkt die Kraft zunächst angebracht ist. Die Frage, was dis für ein Punkt sey,säst sich umkehren: wenn alle Elemente des Körpers von parallelen und ihren Massenproportionalen Kräften beschleunigt werden, soll man den Punkt des Körpers finden,durch den die mittlere Kraft geht, die allen diesen Elementar,Kräften aeqnipollent ist,dergestalt daß wenn sie ebendaselbst nach entgegen gesezter Richtung angebracht wird, sieallen jenen Elementar-Kraften das Gleichgewicht halte. Dieser Punkt kann kein andrerals der Schwerpunkt, oder wie man ihn hier zu nennen pflegt, der Mittelpunkt derMasse oder der Trägheit seyn: denn der Schwerpunkt wird in der Statik durch ebendieses Problem gefunden, wenn man nur statt der Kräfte überhaupt die Schwere sezt,die so wie hier nach paralleler Richtung und der Masse proportional wirkt.

Jeder Stoß, jede Rraft, deren Richtung durch den Schwerpunktgeht, kann dein Rörper nur eine progressive Bewegung mittheilen: denn sie thutdieselbe Wirkung, als die au jedem Element nach eben der Richtung angebrachten ,und den Massen proportionalen Kräfte. Wenn also noch so viele Kräfte in den Körrper wirken, deren Richtungen alle durch den Schwerpunkt gehn, so wird der Körpernie eine rotatorische, sondern bloß progressive Bcwegnng erhalten, wenn er vorherentweder geruht, oder nur eine progressive Bewegung gehabt hat. Eben dis gilt auch,wie aus der Statik bekannt ist, wenn zwar nicht alle einzelnen Kräfte, aber doch dieRichtung der aus allen entstehenden mittleren Rrafc durch den Schwerpunkt geht.

tz. 72. Wenn aber die mittlere Richtung der Kräfte nicht durch den Schwer«punkt geht, so mus eine Umdrehung des .Körpers erfolgen: denn eine entgegen gesezteKraft am Schwerpunkt würde für sich dem Körper keine Rotation mittheilen ( §. 71-),deyde vereinigt aber würden es'unstreitig thun, folglich auch jene Kraft allein. Dieeinfachste Art der Rotation ist, wenn der Körper sich gleichförmig um eine ruhen-de Are dreht. In diesem Falle haben alle Elemente des Körpers nicht allein eine glci.chr. sondern auch eine beständige Winkel-Geschwindigkeit: keines derselben kann also deinandern in dieser Bewegung hinderlich seyn, und die Bewegung würde eben so erfolgenkönnen, wenn gleich alle Elemente von einander getrennt wären. Wenn der Körper alsoeinmal eine solche gleichförmige Rotation gehabt hat, so ist nichts in dieser Beweaungselbst, was ihn daran hindert, und er wird diese Rotation nach dem Gesetze der Träg.heil ununterbrochen fortsetzen. Wie aber eine solche gleichförmige Rotation entstchn kön-ne, mus nun untersucht werden.

Vermöge des Gesetzes der Trägheit würde jedes Element nicht im Kreise,wie zur Rotation erkodert wird, wildern nach der Tangente fortgchn, und sich folglichvou ser Axe des Körpers entfernen. Da es aber hieran durch die Kohäsion oder Fe.

stigkeit