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Das Tierleben der Alpenwelt : Naturansichten und Tierzeichnungen aus dem schweizerischen Gebirge / von Friedrich von Tschudi ; illustriert von E. Rittmeyer und W. Georgy ; herausgegeben von C. Keller
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Die Alpenregiou.

Weise ebenso sehr wie die Pslanzen- und Tierwelt. Sie sind die Seele desThales. Ohne Wasser ist auch das üppigste Thal, die srnchtbarsle Ebene ineinem gewissen Grade leblos und reizlos. Ein breiter Bach, ein kleiner Seezaubert hundert neue Farben und Töne in das Bild und bringt nicht nur denSpiegel seiner Wellen mit, sondern eine ganze kleine Welt von Pflanzen undTieren, welche die einförmige Breite der Landformen fröhlich unterbricht.Unser Gürtel ist denn auch besonders reich an Wasseradern; seine Thäler sindzwar zu kurz, um Flüsse zu beherbergen; sie sind auch zu schmal und enge fürgrößere Secbcckcn dafür ist aber die Alpenregiou die Geburtsstätte unserergroßen Ströme und umfaßt ein höchst mannigfaltiges Quellengcbiet. Tessin ,Rhein, Reuß, Aare und Rhone nehmen ihren Ursprung in den Umgebungendes Gotthardstockes, die Linth auf der Sandalp, der Jnn am Septimcr, dieSaane am Sanctsch, die Emmc am Nothorn, die Landquart am Selvrctta-gletscher, kurz alle Hauptströme und die meisten Flüsse werden in denAlpen geboren. Ihre Wiegen sind aber sehr verschiedenartig. Bald ent-spinnen die jungen Ströme sich aus Moorwiesen, bald entfließen sie kleinenBergsecn oder großen Gletschern; manchmal sind sie ursprünglich bloßzusammengesickerte FelsenansschwiNungen, oder aber sie cntsprndeln als reicheQuellen dem Boden und bilden sofort ordentliche Bäche. Ihre Zuflüsse sindzahllos; man hat berechnet, daß nur im rhätischen Gebiete dreihundertsiebzigGletscher ihre Abflüsse an den Rhein abgeben, sechsnndsechzig Gletscher anden Jnn, fünfundzwanzig Gletscher an die Etsch und den Po. Wer imFrühling die Alpen besucht und sieht, wie von allen Schneefeldern, über alleFelsen, aus jeder Bcrgfurche kleinere oder größere Büchlein niederströmen,wird sich einen Begriff von der unendlichen Wassermasse bilden, die aus demganzen, gewaltigen Alpengcbiete in daS Tiefland geht und dort so vielfach znrBedingung der Fruchtbarkeit und des Verkehrs wird. Am mächtigsten istaber der Wasserabgang nicht sowohl znr Zeit der heißen Föhnwinde als viel-mehr der warmen Regennicderschläge. Überall entstehen dann neue Wasser-adern. Kleine Nieselbäche werden zu trüben, tobenden Strömen; die Tropf-bretter der Gletscher sind von hundert sprudelnden Rinnsalen durchzogen.Wie viel Millionen Eimer Wassers das Rheinbett jede Minute aus den Hoch-gebirgen entführt, mag man ahnen, wenn man sich erinnert, daß zur Zeit derSchnceschmelze das 540 gllm haltende Bodenseebeckcn 2 1 / 23 m steigt, imJahre 1770 aber um 67 »1 sich gehoben hat. Bei manchen Strömen istes schwer, die eigentliche Quelle anzugeben; ja diese eigentliche Quelle ist dabloß illusorisch, wo mehrere Bäche von ungefähr gleicher Stärke zusammen-treffen und nicht eine Bachadcr als Stamm des Flusses sich heraushebt. Soentsteht z. B. der Vorderrhein aus mehreren Bächen, von denen jeder .Rheüllmit einer Lokalbezeichnung heißt. Die Quellen dieses herrlichen 1400 Kmlangen Stromes, der auf seinem Laufe 12 283 Flüsse und Bäche aufnimmt,liegen alle in der Alpenregiou: die des Vorderrheines im Tomasee (2344 m