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Das Tierleben der Alpenwelt : Naturansichten und Tierzeichnungen aus dem schweizerischen Gebirge / von Friedrich von Tschudi ; illustriert von E. Rittmeyer und W. Georgy ; herausgegeben von C. Keller
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Die Alpenpflanzcnwclt.

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Fclsenwände und ziehen sich in kühnen Terrassen den Gipfeln zn. Kalte Bächerauschen in tief ausgesressenen Betten durch sie hin, und tote Gletschcrfeldcrreichen dämonisch in die grünen Plateaus hinein. Nirgends malt die großeMutter Natur in schärferen Kontrasten, schürzt sich mit reicherer Anmut undfinstereren Schrecknissen; nirgends wird der Mensch mit so raschem Wechselzwischen freundlichem Behagen und jähem Entsetzen gewiegt, blickt er so innigund demütig auf zn Gottes schaffender Hand. Bewohner der Ebene denkensich oft die Bildung der Alpenregion als bloßen sanften Übergang von derBergregion zu den letzten Höhen und stellen sich das Alpengebirge als eineVersammlung von unten bewaldeten, oben mit grünen Wiesen bekleidetenBergkegeln vor, von denen etwa die höchsten mit Schnee bedeckt wären. Alleindiese sanfteste Form der Gebirgsbildung findet sich nur selten und nur beieinzelnen milden Voralpen und Ausläufern; gewöhnlich, namentlich bei denKalkgebirgen, liegen schon die Weiden der Bergregion auf steilen Absätzen,zwischen Flühen und Klüften. Über diesen erheben sich neue Bergstufen undFelsbünke, bald milder, bald steiler, meist mit weiteren Waldansätzen, oft mitkurzen Weideplätzen oder scharfgeneigten Schnttseldern, und erst wenn dieseerstiegen sind, erreicht man die Alpenweidcn, die sich nun in größerer odergeringerer Breite bis zur Vegetationsgrenze fortsetzen. Die obersten Gipfellaufen selten, auch wo sie die Höhe von 2500 in nicht ganz erreichen, in grüneSpitzen zu, sondern sind steile Fclsenrippen oder Steinkuppen mit sporadischenVegetationsansätzen.

Im einzelnen herrscht eine unendliche Mannigfaltigkeit in der Verteilungdes Grünen und Grauen, der Triften und Grasgesimse, der Felsen undSchluchten, der Wälder und Büsche, ebenso der Bildungen des Gebirgs-anfbaues und der Böschungen je nach der Felsart. Es giebt nicht seltenkolossale Gebirgsstöcke, deren Basis mit einem Umfange von Quadratmeilenim Thäte aufsteht und die auf ihrem ganzen unendlichen Riesenlcibe kaum eingeringes Schaf- oder Kuhälplein tragen, Kolosse, die nicht etwa mitten ineinem Gewirr von Alpenknppen aus hochgelegenen Thälern aufsteigen, sondernaus milden Tiesthülern unmittelbar 19002300 m (relativer Höhe) sicherheben. Solche Bergstöcke bieten einen überwältigenden, aber nicht erquickendenAnblick dar. Kein Wäldchen, kein grünes Gehäng, keine Hütte an der ganzenstundenbreiten und stnndenhohen Kalksteinpyramide; nichts als eine graueFelswand über der andern, dazwischen breite Lawinenzüge und ansgefresseneRinnsale. Tie Färbung, die an dem Stocke herrscht, ist die graue; diese abervariiert nach allen Richtungen bis an die Grenzen des Schwarzen, Braunen,Gelben und Weißen. Natürlich sind solche Alpenformen auch dem höhernTierleben nicht günstig, das ja immer von der hohen oder geringen Fülle derVegetation abhängt. Selbst die Füchse sind da selten, die doch sonst diestehende Plage des Gebirges bilden; wenige Hühner, Mauerläufer, Schwalben,Segler, Flühvögcl, Falken und einige Gcmscnfamilien sind die einzigen Inhaber