XI
während von den Larven der Schmetterlinge, den Raupen, das Gegen-teil gilt: sie sind von den einheimischen Arten zum gröfstcn Teilebekannt. Es liegt das auch teilweise in den verschiedenen Bedürf-nissen der Käfer- und Schmetterlingssammler: da die zarten Falterwährend des Umherfliegens und durch das Fangen sehr leicht beschä-digt werden und reine Exemplare fast nur durch Zucht zu gewinnensind, so spürt der letztere hauptsächlich den Raupen nach. Bei denKäfern fallen diese Rücksichten zumeist fort, obwohl auch viele Käfer-arten frisch aus der Puppe überraschend viel schöner sind, als diewährend des Schwärmens gefangenen, und manche Arten durch Zuchtviel sicherer und in gröfserer Menge erhalten w’erden können, alsdurch Fang.
Mit dem Verlassen der Puppe beginnt im allgemeinen ein freieres,offeneres und beweglicheres Leben, freilich sehr mit Unterschied.Manche Arten bleiben auch jetzt noch in gesichertem Versteck undkommen nie ans Tageslicht, so die blinden Höhlenkäfer, manche Rin-denkäfer etc. Andere, und deren ist eine grofse Zahl, sind Nacht-tiere, die ihre Verstecke nur nachts oder an sehr trüben Tagen ver-lassen. Im allgemeinen sind diese Nachtkäfer an ihrer düsterenmeist schwarzen Farbe zu erkennen, während die Tagkäfer, die offensich herumtreiben, in der Regel bunt gefärbt sind. Zu den Nacht-käfern gehören namentlich viele Raubkäfer, z. B. Caraben, dann dieDunkelkäfer Tenebrioniden', viele Staphylinen etc. Ein sehr beliebterAufenthalt vieler Nachtkäfer während des Tages sind freiliegende,dem Sonnenschein zugängliche Steine, die gleichsam Wärmflaschenvorstellen, unter denen sie einen sehr behaglichen Tagesschlaf aus-führen.
Andere Käfer kann man Abend- oder Dämmerungskäfernennen. Sie ruhen nachts, gehen am Tag ohne viel Aufhebens ihrerNahrung nach und fangen abends an zu schwärmen; dahin gehörenz. B. die meisten Melolonthiden und die gröfseren Mistkäfer, wieGeotrupes.
Die Tagkäfer haben im allgemeinen die buntesten Farben,treiben sich am offensten herum und sind am lebhaftesten und flüch-tigsten im hellen warmen Sonnenschein, während trübes, kühles undnamentlich regnerisches Wetter sie trag macht und manche auch ver-anlafst, sich zu verstecken.
Andererseits giebt es eine kleine Gruppe von Käfern, die manRegenkäfer nennen kann, weil sie ähnlich den Regenwürmern,Schnecken, Regenmolchen etc. bei Regenwetter zum Vorschein kom-men; es sind das hauptsächlich Raubkäfer, z. B. Procerus gigas, Pro-