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anhaltenden Regens und der vorgerückten Jahrszeit nnS ent-schließen/ über den Maloyapaß weiter zu reisen / um Casacciazu erreichen. Auf dem Wege dahin hatten wir Gelegenheitvon einem Oberengadinischen Landmann/ der uns begleitete,einige Lebenszüge von dem Erbauer der großen Pyramide inSils zu vernehmen/ die wir gerne niederschrieben / da sie ausdas Sittengemälde und die Industrie des EngadinS ein hel-leres Licht verbreiten.
Herr Jsta hütete in seiner Jugend die Ziegen eines stren-gen und harten Mannes auf den Gemeinweiden von Sils . iEines Tages / da eine Ziege seiner Heerde sich unfolgsam er-zeigt/ wirft er einen Stein nach dem Thiere/ der ihr ein lBein zerschlägt. Voll Angst vor dem harren Meister läuft etvon seiner Heimath weg/ hilft sich nach einer HauptstadtDeutschlands durch / wo ein Engadiner Zuckerbäcker und Was-serbrenner ihn aufnimmt / und den verständigen/ thätigen undbraven Jungen in seinem Beruf unterrichtet. Jsta trenntsich von seinem Lehrer / um auf eigne Rechnung den erlerntes'Industriezweig zu betreiben; er vervollkommnet sich besondersin der Kunst Chokolade zu verfertigen; sein Glücksstern führtder allbeliebten Fürstin ein Pröbchen seines Fabrikats zu/ das ^von ihr hochbelobet wird. Der Hof hat immer den Geschmack >des Fürsten / und besonders der schönen Fürstinnen; die ^Hauptstadt den Geschmack des Hofes/ und die Provinzialstädllfinden gut / was die Hauptstadt rühmt/ und so wird bald dckarme Ziegenhirt als Chokolademacher der Fürstin ein reichtangesehener Mann. Jsta ist in der Residenz glücklich verhebrathet und Vater mehrerer Kinder / aber jeden Sommer ver-läßt er Residenz / Gattin / Kinder und Gewerb / um in dergeliebten Heimath/ im hohen Sils / am Ufer des schönesSee's, am Fuße der Gletscher/ im Schatten der Arven nndLärchen/ sich mit den Freunden seiner Jugend deö Leben»sorglos zu erfreuen. Wir haben den guten Mann selbst inCelerina und Samaden getroffen, wo er, der eine Million