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jene Straße, die einst nach dem blühenden Piuro führte.An der Mera aufwärts ragte das Kreuz der Kapelle von Santa Croce hinter dem Schuttberge hervor, abwärts an dem Stromefiel der Blick auf den schönen Thurm von Sant Abundio,dessen Fuß im Schütte eines spätern Felsbruchs steht, undhinter Abundio überraschte der Fall eines wasserreichen Bachs/der von der nahen Felswand gegen die Mera stürzt. WelchesGemälde, und welche Empfindungen, wenn hier am Fuße die-ser Felswand das Licht der Abendsonne sich in Regenbogenbricht, oder im Schaum der Wasserfluthen glüht; wenn danndas Kreuz der Kirche von Croce über dem Grabesrande schim-mert, die Glockentöne durch die bewegten Lüfte zittern, undzwischen dieser Zerstörung der Natur aus Todesschanern derGeist sich zu erheben strebt! Wer malt die Schreckenbilder unddie Qualen jener Nacht, als unter den niedergestürzten Feld-stücken, der Gattin, des Gatten und der Kinder Blut zusam-menfloß , als in dem Blute der Mutter die über die Wiege sichgeworfen, des Säuglings Odem sich verlor, als unter Fels-stücken, die gegen einander sich gewölbt, in Finsterniß dirKlagen der Verlassenen verhallten! Und doch, was find dirkurzen Leiden der Wenigen von Plürs in Vergleichung dcklangen Leiden der Tausenden von Scio! Besser tst'S, ihr fieltin Gottes Hand, als in der Menschen!
Unweit Chiavenna war ein hoher Triumphbogen, dermit aller architektonischen Pracht sich über die Straße wölbt-der erste Gegenstand, der die Reisenden aus ihrer Stimmungriß. Eine lateinische, mit großen goldenen Buchstaben an dirWölbung geschriebene Inschrift sagt, daß dieses Werk de>»Cäsar Augustus FranciScus von Oesterreich zu Ehren von de»>dankbaren Volk der Grafschaft Chiavenna errichtet wordensey. Das Wehen des Italienischen Sirocco wurde hier ftlMfühlbar; wir eilten mit glühenden Wangen und glühender