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Bemerkungen auf einer Alpen-Reise über den Brünig, Bragel, Kirenzenberg, und über die Flüela, den Maloya und Splügen / von Karl Kasthofer
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Stirne unter dem Bogen durch, und nach kurzer Rast undErfrischung im Gasthofe/ auf den öffentlichen Platz der Stadt,wo wir zwischen Bignonien und Rosen-Akazien Blumen-kränze gewunden fanden, um die nahe Ankunft des ErzherzogsVicekönigö von Italien zu feiern. Der Platz war von Ball-spielenden belebt; wir drangen durch, um an der jenseitigenGrenze ein Freskogemälde zu betrachten, das auf einer lan-gen weißen Mauer halbverblichene Gestalten von Männernund Pferden vorstellte. Unser Begleiter erklärte nun, daßdieses Denkmal aus der unlängst vergangenen Zeit stamme,ivo die Republik Bünden noch die Grafschaft durch Podestatenoder Kommissarien verwalten ließ, und daß jenes Gemäldeden vormals üblichen außerordentlich festlichen Einzug derNeuerwählten Beamten BündenS vorstelle, dem die Bürgerder Stadt und das Volk entgegen zogen. Wir betrachteten ge-Nauer das Gemälde, und fanden dasselbe durch Steinwürfesehr beschädigt; dennoch waren die Köpfe der Reuter nochWohl erhalten, so wie unter diesen Köpfen die Pferdefüße,Wischen beiden aber war alles zerstört. Unser Begleiter ver-stchme boshaft, daß diese noch wohl erhaltenen Köpfe sehrähnliche Porträte seyen von Männern, die damals dasdankbare Volk angeführt, dem damaligen guten Regen-ten die gebührende Ehre zu erweisen, und daß eben dieseMänner später am thätigsten gewesen seyen, den schönenTriumphbogen vor dem Bergeller Thore dem neuen Herrscher^ errichten.

Wir besuchten die FelShöhlen unweit der Stadt, die über- in dem hiesigen Gebirge gefunden werden, beständig kühleLüfte ausströmen, und den Bewohnern der Stadt zu treff-kichen Vorrathskellern für ihre Weine dienen. Wir siedeltenuns in einer Grotte an, vor deren Eingang ein großer Berg-uhorn, angelockt durch die kältern Lüfte, seine Krone unweitBignonien, Lytisen und Cypressen ausbreitete, und waren soglücklich, auf kurze Zeit in freundlichem Umgang gefälliger

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