U.Abschn. zur Zeit des Mittelalters. 275
Allgemeine Uebersicht.
Die barbarischen Völker des Nordens hatten seitdem vierten und fünften Jahrhunderte in Spanien,Gallien und England, ja selbst in Italien, den Römernentrissene Provinzen, zu neuen Reichen erhoben. Alleinihre Regierungsform, die vorigen Kriege und Verwü-stungen, und die schreckliche Grausamkeit, mit welcher dieneuen Besitzer beim Besitznehmen, diese Lander verhee-ret, und ihre armen Einwohner muthwillig bei Millio-nen geschlachtet hatten, verursachten zugleich die grosseSchwäche dieser neugestifteten Reiche. Der von seinenArbeitern entblößte Acker, lag unbebaut, bewuchs mitSträuchern und hatte zuletzt überall schreckliche, dickeWälder, die Wohnung reißender wilder Thiere und dieZuflucht der Räuber; die sonst zur Wässerung der Wie-sen mit Deichen begränzten Bäche und Flüsse, durch-brachen diese vvm Fleiße der Menschen ihnen gesetztenSchranken und weilten in den ihnen zuvor entrissenenWeiden so lange, bis lauter faule Sümpfe, mit tödten-den Ausdünstungen draus wurden. Kurz, die durchstarke Bevölkerung, Cultur und vielleicht übertriebenenLurus verschönerte Erde, sank wieder zur öden, derMenschheit wenig nützenden Wüste hinab. In den ver-brannten verheerten Städten, sonst dem Sitze des Fleis-ses, der Gewerbe, der Künste und des Handels trauer-ten die wenigen Einwohner in ihren ungestalten Ruinen,über den Verfall ihres Wohlstandes, und stöhnten demfrechem, übermüthigem Ueberwinder mit schwerem Her-zen und gebeugtem Geiste. Recht und Gerechtigkeitwaren ganz und gar verbannet aus Europa: jedermann,der nur wußte durch unerschrockene Kühnheit, Stärkeseines Arms, und Geschick die Waffen und ein Pferdzu gebrauchen, sich einen Anhang unter den zügel-wsesien, frechsten Menschen zu verschaffen, der such-te eine Ehre bannn, durch unbegränzten Frevel, das
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