Band 
Erster Theil.
Seite
6
JPEG-Download
 

6

GESCHICHTLICHE ÜBERSICHT.

entsprechende Behandlung desselben aufzufinden, um die Winkel ohne Repetition völligfrei von allen constantcn Fehlern zu erhalten.

Im Winter 1823 auf 1824 liefs ich am Universalinstrument eine wesentliche Verände-rung vornehmen, nach welcher die Hemmung der beiden Horizontalkreise an der Peri-pherie wegfiel, und der Limbuskrcis seine unabhängige Hemmung vom Centro aus er-hielt. Hierdurch vortheilte ich, dafs jetzt die Biegung der Speichen nicht mehr durch dieOperation zu eliminiren war, sondern gar nicht mehr stattfand, und konnte daher anSchnelligkeit der Arbeit bedeutend gewinnen. Daher ging denn im Jahre 1824 die ter-restrische Messung rascher. Vom 9. bis 16. Mai vollendete ich die beiden Stationen Ar-rol und Arrohof; aber an ersterern Orte war die Witterung so rauh, dafs täglich Schnee-gestöber eintraten und die Beobachtung sehr beschwerlich machten. Dann mufste aberdie Arbeite Wochen unterbrochen werden, weil ich Dorpat nicht ehe verlassen wollte,als nach dem am Meridiankreis beobachteten Sommersolstitio, indem mir das Solstitium1823 schon verloren gegangen war. Ich konnte daher erst mit dem Anfänge Julius dieMessungen aufscrhalb Dorpat fortsetzen , nachdem ich in Dorpat nebenbei die erste Rei-he Azimutalbeobachtungen, theils durch den Polarstern , theils durch dasMeridianzciehen,vollendet hatte. Bis zum 21. August, also nur während 7 AYochen, arbeitete ich jetztunausgesetzt an der Dreiecksmessung, und vollendete die 12 Stationen l'alzmar, Ram-kau, Nessaulekalns, Daborskalns, Kreutzburg, Gaisakalns, Sestu-kalns, Elkakalns, Kortenhof, Oppckaln, Mnriomüggi un d Lcnard. Ma-riomäggi und I. e nard wurden also schon zum zw eiten Male besucht. Hiermit wäre alsodie ganze Drciccksmcssung bis auf die nördlichstenPuncte, Halljall, Ilohcnkreutzund Hochland, und Dorpat selbst vollendet gewesen, wenn ich mich jetzt nicht festentschlossen hätte, die Arbeit von 1822 umzumachen.

Am Ende des Jahres 1824 war Fraunhofers grofser Refractor angelangt und so-gleich vorläufig im westlichen Saale der Sternwarte vor einem südlichen hohen Fenster aufge-stellt. Im Jahre 1825 ward das bewegliche Haus, unter welchem derselbe auf demTliurme der Sternwarte aufgestellt werden sollte, ausgefiihrt. Dieser Bau fordertemeine beständige Anwesenheit auf der Sternwarte, und so konnten in diesem Jahredie Arbeiten der Gradmessung aufserhalb Dorpat gar nicht w eiter gefördert werden. InDorpat liefs sich zw'ar einiges tliun. Der Vinkel zwischen Arrohof und K ers el ward ge-messen, eine Reihe von Zenithdistanzen von Polaris und Gemma ward vollendet, eineerste Untersuchung über die Biegung des Fernrohrs bei einem der angew andten Vertical-kreise ward gemacht. Das war zwar wenig für die Gradmessung, aber dafür war auf