Band 
Zweyter Band.
Seite
136
JPEG-Download
 

IZ6 — ^ '

Uebungen, daß er vielmehr mit Dank sich jede ihm mitge-theilte Erfindung zu Nutze macht „O wie sehr, sagte„ er oftmals , könnte nicht unser ganze Zustand verbessert„werden / wenn der Herr in der Stadt und der Bauer„ausdem Lande mehr gegenseitige Theilnehmung hätten?

„ Hiebcy fuhr er fort, könnten die Prediger am meisten„ausrichten/ wenn sie Luden Predigten und bey Besuch-„ en die Leute genauer mit den Pflichten ihres besondern„Berufes bekannt machen würden. Diese Herren sind„gemeiniglich in ihren Predigten gar zu gelehrt, hingegen„ sagen sie nicht deutlich und einfältig genug, wie matt„und was man thun solle. Daher glauben die meisten,„es sey genug, daß man zur Kirche gehe, daß man singe„und bete; alsdann habe es nichts zu bedeuten, wenn„ man sich Müßigang, Klcidcrpracht, Unmäßigkeit, Be-„ trug und Ränke erlaube. — Ueberdieß, meinte er, soll-ten die Landvögte fleißig die Feldgüter durchreisen, und„ jeden bestraffen, der die seinigen verwahrloset. „ AlSman ihm hiebcy die Schwierigkeit zeigte, erwiederte er:„Ein einziges Beyspiel kann oft auf eine grosse Menge„ würfen. Habt ihr ncch nie gesehen, wie eine widerspen-„ stige Heerde so leicht folgt, wenn nur einmal eins der„ Schafe über Brücke geführt wird? Glaubt ihr denn„ nicht, daß das Gute in rechtem Lichte gezeigt, nothwen-„ dig Beyfall erpresse? „

Kleiniogg ist zwar der jüngere Bruder, allein derältere hatte Verstand genug, die grösser» Fähigkeiten deSjünger» einzusehen und ihm die Herrschaft in der Haus-haltung abzuwetten. Um so viel lieber würden ihm diemeisten Menschen diese Herschast gönnen, da Kleinjoggnur herrscht, um zu dienen; je grösser Macht und Fähig-keit sind, desto grössere Verpflichtung zum Wohlthun; alsHausvater ist er bey jeder Arbeit der erste und der lezre;wenn er befiehlt, so giebt er den Befehlen Nachdruck durch