sten Nuancen seiner schaferischen Sittengemählde! WieStrahl der Morgenröthe neugcbohren die Natur demaufdämmernden Himmel Macht, so lächelt sie unter Geß-^ors reichem, belebenden Pinsel. Kein Wunder, daß seineländliche Muse, indem sie aus dem eisernen Zeitalter indas güldene Alter der Natur und Freyheit, der Unschuldund Minne versetzt, die Lieblingsmuse jeder schönen See-le, nicht bloß in Teutschland, sondern auch bey allen ge-rieten Völkern geworden! Wenn wir in Geßners Schä-fergedichten die intreffantesien Gesehichtgen, die gefälligstenCharaktere, die rührendsten Situationen studieren, keinZug zu viel, keiner zu wenig, jeder durch den andern er-wärmt und verschönert, müssen wir nicht gestehen, daßsich der Dichter, noch so vertraut mit den Moschus undBions, mit den Theokritcn und Maro'S, immer eine eig-ne Idealwelt, und eben so eine eigne, der Huldgöttimienwürdige Sprache geschaffen habe? — Eine ganz neueDichtart schuf er sich auch in dem Tod Abelö, schäferischeNaivität mit religiöser Würde verbunden. — Gleichwieer mit allen Sinnen, in jeder mannigfachen Scene derSchöpfung das Schöne empfindet, eben so gelingt ihmnicht bloß eine Art des Ausdruckes allein: so bezauberndspricht sein Pinsel wie sein Gedicht mahlt.
Durch was für Veranlasung und mit welchem Er-folg bey ihm die Liebe zur Zeichnungskunst und Mahlereywieder erwacht sey, beschreibt er in seinem Brief an Füß.lin folgender Massen: *)
„Da ich Gelegenheit bekam meines seligen Herrn„Schwehervaters ffürtreffliche Sammlung täglich zu sehn,erwachte meine Leidenschaft für die Kunst von neuem,» und ich faßte im dreyzigsten Jahr meines Alters den Ent-„ schluß, zu versuchen! ob ich noch zu einem Grad ge-*) S. Jrh. Caspar Füßlins Geschichte der besten Künstler i»der Schweiz, Band M. in der Vorrede.