Band 
Zweyter Band.
Seite
272
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Beynahe ein halbes Jahrhundert hatte er gelebt, undnoch nichts Beträchtliches in Versen geschrieben, als wasdie Trauer über den Hinscheid seines Sohnes ihm eingab.Ihm waren der Reim und der Zwang des Alexandraszuwider. Erst nachdem Klopstok durch Einführung desHexameters ein offnes Feld für die Evolutionen der Red*verbreitet hatte, schrieb er Gedichte.

Das Genie bestimmt sich selber, nur die FarbenMÜschung bekömmt es von äussern Umständen. Das Beb-spiel eines Miltons und Klopstoks, das Schicksal, webBodmern zu dem Sohn eines Landgeistlichen gemachthat und ihn anfangs dem gleichen Berufe bestimmte, die»ses war die Veranlassung, daß Bodmers poetisches Gen'*auf biblische Gegenstände geführt ward. Indessen auchohne zufälligen Einfluß konnten sowol Hoheit der Gest"*nungen als Kühnheit des erfindsamen Geistes den Dichterder Noachioe bewegen, daß er die Erzväter den Achilles/und den Aeneas vorzog. Gleichwie Homer in der vater-ländischen Religion seine Gedichte geschöpft hat, so hätteer dieselben in der unsrigen geschöpft, wenn sein Dasey"in die christliche Zeitrechnung gefallen wäre. Bodmeekonnte nicht einmal National-Sujets behandeln. Neue"Begebenheiten hätte immer die fcycrliche Würde des Al-Irrthums gefehlt. Was für epische Handlung, wo dieFürsten nur im Kabinette arbeiten und durch Gesandtuegoziren, wo im Felde das ganze Kriegesheer nur einerMaschine gleicht? In den Zeiten der Kreuzzüge, in de"Römerzügen finden sich noch National-Sujets. Heut Z"Tage sind uns Arminius und Ariovist so fremde alsKanadier und Orahciten. National-Epopäen also in einerschon lang kultivirten Sprache und aus einem verfeiner-ten, formalistischen Zeitalter sind selten Heldengedichte-sind wie Voltairens Henriade rmd LudariS Pharsale halb

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