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Geschichte der Wasserkirche und der Stadtbibliothek in Zürich / von Salomon Vögelin
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und um Gewährung des obrigkeitlichen Schutzes und Schirmes für dieselbe nachsuchte. Da auch der vielver-mögende Antistes Breitinger die Sache begünstigte, so ward dieses Gesuch aufs bereitwilligste gewahrt undder oberste Boden der Wasserkirche der Bibliothek eingeräumt. Schon am 7. Zenner des folgenden Zahreszedoch erschien abermals eine Abordnung von sechs Mitgliedern der Bibliotheksvorsteherschaft vor Rath undbat ihn, ihnen auch noch den zweiten oder mittlern Boden zu demBüchergehalter" zu überlassen, und dasganze Lokal so einzurichten, daß dieser Ort der Gelegenheit halber noch ansehnlicher und bequemer werde undgemeiner Stadt zu desto größerer Zierde gereiche. Auch dieses Gesuch wurde genehmigt und nach eingenom-menem Augenschein beschlossen, den obern Boden bis unter die Tragsteine, von welchen aus die Rippen desNetzgewölbes der Kirche ihren Anfang nehmen, hinab zu lassen undzur Liberey (Bibliothekgemach) zuzurüsten",den mittlern Boden aber ganz hinweg zu thun, wodurch dieser obere Raum an Höhe, Heiterkeit und Anmuthungemein gewann '^).

Nun besserten sich die Besorger der Bibliothek in Verbindung mit dem Bauamte diesen ihren neuenBibliotheksaal aufs stattlichste auszuzieren und namentlich den Boden desselben nach Art und Weise der dama-ligen Säle mit farbigen, glasirten Besetzblatten belegen zu lassen. Und weil damals, wie durch das ganzesiebzehnte Jahrhundert herab, Winterthur durch berühmte kunstfertige Hafner sich auszeichnete"), so wandtensie sich an den Rath daselbst mit der Bitte, die hiesige neue Biirgerbibliothek mit einem solchen Geschenke ausder Werkstätte ihrer Mitbürger zu beehren ^). Der Rath entsprach freundlich, beauftragte den HafnermeifterHs. Caspar Erhärt daselbst mit der Arbeit, und Mitte August 1633 kam das Geschenk in Zürich an ^). DerSaal ward auch ganz mit neuen Fenstern versehen, von denen die Bürgermeister und Räthe, jede Rathsab-theilung ein Fenster mit ihren Ehrenwappen, auch jede Zunft einen Beitrag an dieselben und ihr Wappenschenkte^'). ES ward ferner auf der Westseite, gegen die kleine Stadt, zunächst dem Helmhause ein neuesFensterlicht herausgebrochen, und ein kleiner Balkon vor dasselbe angebracht^). Einige Jahre später,nachdem auch der untere Raum noch der Krämerei entzogen und den Wissenschaften war in Besitz

16) Der oberste Boden war, da er früher nahe an das Gewölbe der Kirche hinaufreichte, ziemlich niedrig und düster. NachWegbrechung des mittlern Bodens ward derselbe nun tiefer hinabgesetzt, nämlich bis auf den jetzigen Boden der obersten Gallerie.Das vorstehende Kupfer gibt eine anschauliche Vorstellung von demselben. Von da an gab es nur noch zwei abgetheilte Räume inder Wafferkirche; der obere, welcher der Bibliothek, der untere, welcher der Kaufmann- nnd Krämerschast zudiente.

17) Auch in dem jetzigen 16951698 erbauten Nathhanse wurden die Ofen in die beiden Rathssäle von Hafnern in Winterthur verfertigt.

18)Wir haben die Zytt har nit allein von nnß selbsten den Gedanken gehabt, sondern es ist miß ouch anderwerts fürgebildetworden, wie zu des zur Liberey gewidmeten Platzes mehrerer Bezierung fast anstendig sye, wenn der Boden mit hübschen wyß und blauwgetesteten Blatten Üwerer Bürgeren wyt berümbter Arbeyt besetzt wurde; ouch daby die gute Hoffnung gefastet, es werdind dieselbenriß gemeine Liberey-Wesen mit Ihrer Ehrengab ouch zu bcsürderen und zu zieren Inen uit widrig syn lassen; da dann uns lieberesund erwünschteres nüt, dann grad gedachter Ihrer Bürgeren Arbeit."

Die «idliolliecarii u. Verwalters der bürgerlichen Liberey der Statt Zürich .

Schreiben an den Rath zu Winterthur 1632.

19) Ein Geschenk von nicht unbedeutendem Werthe, indem mehr als tausend Stücke erforderlich waren.

20) Der kleine Rath war bis 1798 in zwei Hälften getheilt, in den alten und den neuen Rath, jede mit einem Bürgermeisteran ihrer Spitze, wovon jedes Halbjahr die eine Hälfte neu gewählt wurde. Beide Hälften hielten aber ihre Berathschlagungen gemein-sam, nur beim Blutgericht saß der neue Rath allein.

21) Jede Zunft schenkte mit einem bedeutenden Geldbeiträge ihren Wappenschild su weäaillo» in ein Fenster, von welchen fünfsich noch bis auf die jetzige Zeit erhalten haben. Als durch das Zerspringen des Geißthurms 1652 fast sämmtliche Fenster der Wafferkirchestark beschädigt wurden, leisteten die Zünfte zur Wiederherstellung derselben auf's neue eine beträchtliche pekuniäre Unterstützung unveben so im Jahr 1780 bei einer nöthig gewordenen gänzlichen Renovation der Fenster nnd ihrer Einfassung mit eisernen Nahmen.

22) Diese Zinne erscheint noch in der Abbildung der Wafferkirche, welche als Neujahrblatt von der Biirgerbibliothek im Jahr >66lherausgegeben ward. Auf dem Nenjahrblatt für 1689 ist sie nicht mehr vorhanden.