49
Hunderts, wo man sich mehr in allerlei kleinlichen Spielereien und vermeintlichen Naturwundern gefiel, sobegabte man die Bibliothek anfangs nur mit mathematischen, astronomischen und mechanischen Kunstwerken^),trefflichen Glas- und andern Gemälden^), vornämlich aber mit den Bildnissen unserer Reformatoren undanderer berühmter Gelehrten jener Zeit^), so wie der frühern und der damals lebenden BürgermeisterZürichs ^), auch einiger gekrönter Häupter^), wozu abermals auch Fremde mitwirkten^).
Nicht lange jedoch, so hatte die Sache starke Anfechtung zu leiden. Der Antistes Breitinger, so inniger sich der neu entstandenen Bürgerbibliothek freute^), blickte dagegen mit Mißbilligung und Besorgniß aufdiese sich stets mehrende Zugabe zu derselben, indem er von daher für das Werk der Reformation, das erals ein köstliches Erbgut den Nachkommen rein und unbefleckt überliefert wissen wollte, eine Gefahr heran-nahen sah, der er zu rechter Zeit noch vorbeugen zu müssen glaubte. Daher ergriff er im Zahr 1639 ineiner Namens der Geistlichkeit um eine erweiterte Einräumung der Wasserkirche zu wissenschaftlichenZwecken an den Rath erlassenen Zuschrift^) die Gelegenheit, demselben den dringenden Wunsch zu eröffnen,„daß, um allbereits fhervorjblickenden Mißbrauchen zu begegnen, vorderst Maß gehalten werde mit Auf-stellung von Conterfaiten fremder und dazu solcher Personen, derenthalben keine Gewißheit, daß sie unsererwahren christlichen Confession recht zugethan oder günstig gewesen seyend, denn aus dergleichen Zierden ebensobald eine gleiche oder auch mehrere und nachtheilige Ergernuß erwachsen könnte, als zuvor aus Verwüstungdieser Kirche entstanden; deßnahen daß an diesem Orte einige musikalische Instrumente, wie die Namen haben,oder unter was Schein man sie aufbrächte, nicht geduldet werden, da man solcher Dinge weder für den obernnoch untern Theil der Kirche bedürfe, wohl aber dieselben allerhand Verdacht und Gedanken sowohl bei unsernNachbarn als bei unsern eigenen Leuten verursachen müßten, was alles besser vermieden bliebe." — Es erfolgte
44) So schenkte der Mitstister der Bibliothek, Hr. Joh. Ulrich Ulrich, derselben ein mathematisches Feldmeßinstrument; Hr. AdrianZiegler, Landvogt zu Sar, einen 6Iodus eoelostis und terrestrw, beide illuminirt; einen ähnlichen Globus terresliis Hr.J.Jakob Bürkli,tdie beiden andern noch vorhandenen Globen von Coronelli wurden weit später (1715) von General Felir Werdmüller der Bibliothekgeschenkt). Hr. Pfarrer Hans Murer zu Nickenbach eine große Sonnenuhr unter Glas auf einem zierlichen Fußgestell erhöht; PfarrerMichael Zingg in Fischenthal stationirt, ein großer Mathematiker, 1647 eine von ihm selbst verfertigte künstliche astronomische Uhr,wofür ihm das hiesige Bürgerrecht geschenkt ward (ob dieß die jetzt noch auf der Bibliothek vorhandene, längst unbrauchbar gewordeneUhr?). Die von Maler Hs. Conrad Gyger verfertigten Landtafeln des ganzen Schweizerlandes wurden vor» Rath der Bibliothek Über-macht. Der Steinmetz Andreas Widmer eine (noch vorhandene) wie aus verschiedenen Marmorstücken zusammengesetzte künstlich gear-beitete Säule (1663). Der Maler Johannes Schweizer einen gemalten Stammbaum, oder Tafel der Regenten Zürichs , vom Rath,dem er sie überreichte, der Bibliothek geschenkt, jetzt auf dem Stadthause befindlich.
45) Junker Wilhelm Stapfer 1643 das in Glas eingebrannte Wappen des Bischofs von Sitten. Samuel Hofmann ein Fruchtstück.
46) Die Bildnisse Zwinglis (vom alten Dietrich Meyer, Maler, geschenkt), Leo Judä (von Hr. Hottinger geschenkt), TheodorBiblianders, Hans Rebmanns, Antistes Bullingers (von Martin Stocker geschenkt). Antistes Burkhard Leemanns, Peter Martyrs,Philipp Melanchkons, welche Bildnisse sämmtlich der Bibliothek schon in den Jahren 1630 —1636 zu Theil wurden. Auch AntistesBreitingers Bildniß, von Samuel Hofmann gemalt, kam nach seinem Tode (1643) als Geschenk auf die Bibliothek.
47) Die Bildnisse der Bürgermeister Hs. Rudolf Lavater, Bernhard von Cham, Heinrich Bräm, und der beiden damaligen Stan-deshäupter, Salomon Hirzel und Heinrich Holzhalb. Von da an erhielt die Bibliothek oder nachherige Kunstkammer die Bildnisse derspätern Bürgermeister in fast vollständiger Reihe.
48) Gustav Adolf, König von Schweden, und die Könige von Frankreich Heinrich IV. und Ludwig XIII .
49) Der schon erwähnte Herzog Nohan sein Bildniß, Pfarrer Joh. Rudolf Forrer aus Bern das Bildniß des Theologen WolfgangMüsli»; Jakob Dünz, Bürger zu Bern und Brugg , ein mit mancherlei Gegenständen zierlich bemaltes Tischblatt von Hans Hol-dem; Joh. Martin Hertenklee, ein in Lyon niedergelassener Bürger von Zürich , eine römische Graburne mit hohem engem Halse, vongebrannter Erde (gegenwärtig bei der antiquarischen Gesellschaft aufbewahrt).
50) Dem reichen Büchergeschenke, welches die Bibliothek von Breitinger empfing, war ein Zeddel von dessen eigener Hand beige-
legt, folgenden Inhaltes: „äod. Isoobns Lroitingerus, Lcolesiss riKurinav Minister. Libliotkscas oivioss principiis suspioslisexoptatissimnin auAmentuin precor ox aainio." Akta der Burgerbibliothek Bd. V. S. 40.
51) Xeta Lcdesisslioa. Dom. VIII. lol. 588. Stadtbibliothek, Mssr. k. 112.