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ein diesen Wünschen entsprechender Rathsbeschluß. Mein die Bibliothekvorsteher, wohl wissend, daß derselbemehr aus Rücksicht sür den Antistes gefaßt, als ernstlich gemeint sei, kehrten sich wenig daran; die mißbeliebigenGegenstände wurden nicht beseitigt; es kamen im Gegentheil noch neue hinzu. Da erließ Breitinger im Zahr 1641eine freimüthige Zuschrift an die Curatoren der Bibliothek selbst^), worin er die, seiner Meinung nach, auf derWasferkirche nicht zu duldenden Stücke mit Namen aufzählte und mit Bestreitung der für dieselben etwaanzuführenden Gründe auf ihre Hinwegfchaffung drang, da, wenn die Sachen so fortgingen, „wie übel auchdie Wasserkirche seit der Reformation in Abgang gerathen, ihr Letztes noch ärger werden möchte als das Erste."Ihn ärgerte allervorderst ein kleines Orgelwerk, welches ein Hr. Georg Geßner , großer Musikliebhaber,besessen, der der Bibliothek ein ansehnliches Geldvermächtniß bestimmt, für welches aber von den Erben diesesPositiv der Bibliothek war anerboten und von ihr angenommen und in der Wasferkirche aufgestellt worden.Da nun zuweilen junge Leute sich auf demselben versucht, so hätten die vorbeifahrenden Fischer „diese neueZeitung" heimgetragen, und spöttisch ausposaunt, so daß bei den papistischen Machbaren ein seltsam Geredeentstanden, wie die Sache zu Zürich auf guten Wegen, und die Orgeln wieder eingeführt werden.— Wasaber den Antistes noch tiefer ärgerte, ja eigentlich entrüstete, das waren „die in der Wasserkirche neben denEhrengedachtniffen unserer fürtrefflichen gottseligen und um das Vaterland höchst verdienten Altvordern beiderStände aufgehängten Bildnisse gewisser gegen die reformirte Confefsion feindselig gesinnter Personen", und er-statte es kein Hehl, der Eifer habe ihn so sehr übernommen, „daß er ein Stück solcher Abgötterei mit eigenerHand abgerissen und zu nichte gemacht." Zhn ärgerte das Bildniß Gustav Adolfs des Schwedenkönigs, dessen„namhafte Thaten zu Hilf der bedrängten Kirchen Gottes" er zwar keineswegs verkannte, dabei aber derMeinung war, daß „dieser eifrige Verfechter des Lutherthums und hingegen abgesagte Feind der recht christlichenheiligen reformirten Lehre, willens dieselbe nicht weniger abzuschaffen, als das Pabstthum selbst"nicht„etlichen wenigen wetterwendischen Flattierern zu gefallen", hier aufgestellt werden sollte. Zhn ärgerte dasmehr als lebensgroße Bild des englischen Grafen Carlile, „ein größere Tafel, als der Einheimischen Keiner",der, eine Creatur des Erzbifchofs von Canterbury , und der evangelischen Religion ganz widrig, als ihm aufseiner Reise durch Zürich die Noth der armen Veltliner zu Gemüthe geführt worden, dieselben mit leerenHänden und höhnischen Worten von sich gewiesen. Zhn ärgerte das Bildniß „eines neulich canonisirten päpst-lichen Heiligen^), welcher auch bis an dieß Ort unbesonnener Weise erhoben worden sammt einem Theilschön illuminirter Kupferstucken seiner vermeinten Wunderwerke und Canonisation." Zhn ärgerte das ebendaselbst aufgehängte Gemälde der Belagerung der Stadt Röchelte, des Hauptsitzes der Reformirten in Frank-reich , durch deren Eroberung (30. Okt. 1628) die Hugenotten gänzlich unterlagen. Er wies gänzlich zurück „dievermeinte Entschuldigung, es fei hieher verordnet worden als eines sonderbaren Meisters Kunststück." „Wie?wie? — entgegnete er — wenn ein evangelischer Franzos in der Stadt Zürich bei seinen fürnehmsten Glau-bensgenossen sieht emporhangen das Elend der fürnehmsten evangelischen Stadt in Frankreich ? Sollte dennUnser Einer solcher Kunststücke sich freuen können, wenn man ihm in Bern oder Basel zeigete einen künstlichenAbriß unsers Unfalls in der Kappeler Schlacht?" Zhn ärgerte das in der Fraumünsterkirche entdeckte undnun auf die Wasferkirche versetzte, zierlich gearbeitete hölzerne, mit Achatsteinen in Ziegelform besetzte Reli-
52) licolssiamica. Dom. VIII. lol. 630. ff. Stadtbibliothek, Ulscr. I?. 1l2.
52») „Selbst Gustav Adolf , der größte Geist seines Jahrhunderts, hatte nicht nur den Katholiken, sondern auch den Reformirten,um des Unterschiedes einiger Formeln willen, tödtlichen Haß geschworen. Landgraf Wilhelm von Hessen, um ihn so hoch verdient,konnte auch gegen Verheißung einer großen Geldsumme nicht erlangen, daß er den Reformirten eine Kirche zu Frankfurt eingeräumthätte. „Lieber will ich, sprach Gustav, die Schwerter aller meiner Soldaten in meinem Herzen aufnehmen, als der reformirten Kircheden geringsten Vorschub thun." I. C. Vogelins Geschichte der Schweiz. Eidgenossenschaft. 8. Zürich , 1832. Bd. 2. Abthl. 1. S.26K.
53) Der berühmte Cardinal Karl Boromäo, Erzbischof von Mailand, gest. 1584, kanvnistrt 1610.