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Beyträge zur Geschichte und Kenntniss meteorischer Stein- und Metall-Massen / Carl von Schreibers
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Zweyte Tafel.

Tabor.

^iner der größten Steine von dem sehr bekannten und ziemlich ergiebig gewesenen Steinregen (i), der sich am 3. Ju-lius 1753 um 8 Uhr Abends bey Tab or (eigentlich um Strkow, nächst Plan, einem zur Herrschaft Seltschgehörigen, eine Stunde von Tabor entfernten Dorfe) in B ö h m e n ereignete, von beynahe 5 Pfund am Gewichte,und welcher im Momente der Begebenheit, vor einem, nach der Hand als Augenzeuge amtlich vernommenen Knechte(Math. Wondruschka) auf 30 Schritte Entfernung niederfiel, und ohne sich merklich zu versenken, bloß die Erdeauswarf, auch sogleich von dem Beobachter aufgehoben und der Ortsobrigkeit übergeben wurde.

Es wurde dieser Stein von dem damahligen, zu jener Zeit in Tabor, der Kreisstadt des Bech irrer Kreises,residircnden königl. Böhmischen Kreishariptmanne, Grafen Binc. v. Wratislaw, gleich nach der Begebenheit, diederselbe aus eigenem Antriebe amtlich und förmlich an Ort und Stelle untersuchte, mit einem umständlichen Berichtean das königl. Böhmische Kammer-Präsidium zu Prag , und von diesem an die k. k. allgemeine Hofkammer nach Wien eingesendet.

Der Stein ist vollkommen ganz, und um und um mit Rinde bedeckt, die nur an einigen kleinen Stellen etwasabgestoßen, und hie und da abgebrochen worden ist.

Es zeichnet sich derselbe besonders durch eine anscheinende Regelmäßigkeit (2) in seiner Form aus. Er bildetnähmlich eine deutliche, nur etwas verschoben und ungleichseitig vierseitige, abgestumpfte niedere Pyramide (3), de-

(1) Ungeachtet der Ergiebigkeit dieses Steinregens, indem sich derselbe doch über einen Flächenraum von einer halben Stunde in

der Länge, und einer Viertelstunde in der Breite erstreckte, und derselbe Beobachter von seinem Standplätze aus, von wo erden einen Stein fallen sah, noch deren vier in das Getreide niederfallen hörte (die folglich in seiner Nähe, und die Steinedaher im Durchschnitt überhaupt ziemlich dicht gefallen seyn müssen), und viele der Steine groß und von bedeutendem Ge-wichte waren (von 5 bis >3 Pfund), und obgleich die Begebenheit zu jener Zeit viel Aufsehen erregte, und durch Zeitungs-und wissenschaftliche Nachrichten bekannt gemacht wurde; so scheinen doch gegenwärtig nur wenige Belege mehr davon, undmeistens nur in Bruchstücken, nachweisbar vorhanden zu seyn. Außer einigen Privaten in Prag , und vielleicht noch an einigenOrcen in Böhmen , und Hrn. Chladni, sind meines Wissens nur das UniversitätS-Museum in Pesth , die De Dröe'scheSammlung in Paris , und das Älus. bi itan. in London (welches das von Born beschriebene Stück mit dessen Sammlung durchGreville's Vermächtniß erhielt), im Besitze von solchen.

(2) Diese Regelmäßigkeit, auf die ich bereits in meinen Aufsätzen in Gilbert's Annalen, »8o8, aufmerksam gemacht habe, und

die nun auch Hr. 11. Chladni bewährt und einer Beachtung werth gefunden hat, ist um so merkwürdiger, da hierin eineUebereinstimmung oder doch eine auffallende Annäherung zwischen vielen Steinen, nicht nur von einer und derselben Begeben-heit (demnach zwischen Bruchstücken ein und desselben Meteors), sondern auch von, nach Zeit und Ort, sehr verschiedenenEreignissen, und selbst zwischen solchen Stattfindet, die sowohl in ihrem Aggregats- als Cohäsions-Zustande, als sogar imqualitativen und quantitativen Verhältnisse der nächsten und wesentlichsten Bestand - und Gemengtheile bedeutend von einanderabweichen (und kaum können dieß in diesen Beziehungen irgend welche mehr als z. B. die Steine von Tabor und von Stan-ncrn), und da dieselbe auf einen Grund -Typus hinzudeuten scheint, der jenem sehr nahe kommt, welcher der ähnlichen Bil-dung (Structur, Absonderungs- ZerspaltungsformFigurirung) einiger terrestrischer, der Trapp-Formation angehöri-gen Fossilien, welchen die Meteor - Steine in mehrfachen Beziehungen überhaupt sehr verwandt sind, zum Grunde liegt.

(3) Da jener Regelmäßigkeit kein Krystallisations-Gesetz zum Grunde liegen kann, und demnach die vorkommenden Flächen und

Kanten keineswegs mit wahren Krystallisations-Flächen und Kanten verglichen werden dürfen, wie sie denn auch ihrer zufälli-gen Beschaffenheit, der Eindrücke und Verdrückungen wegen, wenigstens nicht mit der gehörigen Genauigkeit, weder geome-trisch gedeutet, noch goniometrisch bestimmt werden können; so durfte die Darstellung und Beschreibung der Formen auch nurdcscriptiv, nach der auffallendsten und am leichtesten zu versinnlichcnden Aehnlichkeit mit einer bekannten geometrischen Figur,keineswegs aber krystallologisch genommen werden. Wollte man letzteres, so müßte man die Form dieses Steines als eine ver-schobene und ungleich vierseitige Säule mit schief aufgesetzter Endfläche betrachten. Bemerkenswerth scheint übrigens doch zu seyn,daß zwey Seitenkanten an diesem Steine, mit möglichster Genauigkeit an gleichen Puncten gemessen, einen gleichen Winkel vonbeyläufig cssjo, und darin eine Uebereinstimmung mit ähnlichen Kanten von drey verschiedenen säulenförmigen Basalten des Ca-binettes zeigten, die damit verglichen wurden; so wie sich auch ein ganz ähnlicher Winkel von einer Seitenkante am nächst zubeschreibenden Steine von L'Aigle , und ein ähnlicher am Steine von Liffa fand. Ueberhaupt messen die Winkel der schärfer»Kanten dieses Steines zwischen 76 und g5°, und die der stumpfern zwischen >oS und »25°. Zwey Steine von diesem Er-