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Achte und neunte Tafel.
Zweck der bildlichen Darstellungen dieser Tafeln ist die Versinnlichung des merkwürdigen krystallinischen Gefügesder vorzüglichsten Gediegeneisen-Massen, deren meteorischer Ursprung theils factisch erwiesen, theils höchst wahrscheinlich,ja unbezweifelbar ist, und deren Untersuchung in jener Beziehung mir bisher möglich war (l). Es zeigt sich dasselbeam schönsten und deutlichsten auf ganz ebenen, rein abgeschliffenen und fein polierten Flachen solcher Massen — in soferne diese nicht etwa durch künstliche Hitze oder durch mechanische Gewalt vorher eine Veränderung erlitten haben (2) —
(») Es ist die Entdeckung dieser Eigenthümlichkeit des Gediegencisens, wahrhaft meteorischen Ursprunges, schon seit mehreren Jah-ren ziemlich bekannt; denn Herr Director v. W id m a n n st ät t e n machte sie bereits im Jahre »808 bey Gelegenheit der er-sten physisch- technischen Versuche, die er mit der Agramer Eisenmaffe vornahm, und wir waren weit entfernt sie geheim zuhalten, im Gegentheile ward dieselbe allen Wissenschaftsfreundcn gelegenheitlich mitgetheilt, und jene Masse, an welcher (wiebereits oben erwähnt wurde) eine bedeutende Flache geätzt worden war, um das Gefüge darzustellen, blieb nach wie vor, undzwar seit 180g, mit den übrigen vorhandenen Meteor-Massen und der zahlreichen Suite von ausgewählten Stücken vomSteinfalle zu Stannern vereinigt, und als eine für sich bestehende Sammlung abgeschlossen, am kaiserl. Mineralien-Cabinettezur öffentlichen Ansicht ausgestellt. Noch in demselben Jahre hatte Herr v. W id mannst« tten Gelegenheit, an einem aus-gezeichnet schönen Ladenstücke vom sibirischen Eisen aus der V 0 n der Nul l'schen Sammlung — deren sachverständiger Besi-tzer sich sehr bereitwillig fand den Schnitt und Schliff dieses kostbaren Stückes zu gestatten, da es damit von der andern Seiteein höheres Interesse gewann ; — im Jahre i6io aber an dem Stücke vom Mexikaner Eisen, welches die kaiserl. Sammlungeben durch Klaproth erhalten hatte; dann im Jahre »812 an der großen Gediegeneisen-Masse, welche vom Magistrate zuElbogen in Böhmen an das kaiserl. Naturalien-Cabinett abgegeben wurde; endlich i 8>5 an dem Stücke vom karpathischenEisen, welches Herr Baron v. Brudern dem kaiserl. Cabinette zum Geschenke machte — jene interessante Entdeckung zubewähren. Da sich jenes Gefüge auf ebenen und polierten Flächen bey der Behandlung durch Aetzung in tastbaren, und zwarnach Maßgabe der Dauer des Prozesses, in mehr oder weniger erhabenen und vertieften Figuren (on, b»srelivl) ausspricht;so kam Herr v. Widm annstätten gleich Anfangs, bey der Agramer Masse schon, auf die glückliche Idee, durch unmit-telbare Abdrücke solcher Flächen mittelst Druckerschwärze — die Masse selbst gleich als natürliche Form oder Stereotyp benü-tzend — eine vollkommen getreue und leicht vervielfachbare Darstellung zu bewirken, und der gute Erfolg dieses Verfahrensveranlaßte uns i 8 , 3 , von der großen geätzten Fläche der Elbogner Masse, welche das Gefüge besonders schön und deutlichzeigte, solche unmittelbare Abdrücke in hinlänglicher Menge abziehen zu machen, um sie als Belege zu einer Abhandlung zugebrauchen, die wir damahls schon über diesen Gegenstand auszuarbeiten und bekannt zu machen dachten. Allein Zeitumstände.und Verhältnisse erschwerten unsere Arbeiten, die eine Reihe von mühsamen und ununterbrochenen Versuchen und Untersuchun-gen nothwendig machten, und brachten uns zuletzt — wie mir's 180g mit meinen früheren ähnlichen Unternehmungen ergan-gen war — ganz davon ab, so daß jene Autographe bis zu dieser Stunde, als sie endlich eine neue Veranlassung — leidernur zu unvorbereitet und peremtorisch — aus Tageslicht ruft, unbenutzt liegen blieben. Inzwischen wurde der Gegenstanddurch mündliche Mittheilungen, zumahl durch Fremde und Reisende, immer mehr und mehr bekannter, und endlich, vorzüg-lich theils durch Chladni selbst — der während seines Aufenthalts in Wien , im Frühjahr 1812 , Zeuge unsrer frühern unddamahligen Versuche war theils auf dessen Anregung öffentlich zur Sprache gebracht; so äußerten Herr GubernialrathNeumann in Prag , auf dessen Veranlassung, bey Gelegenheit seiner Nachricht von der ElbognerMaffe (1812, Hesperus,Heft y), und nach dieses letztem Mittheilung, Schweigger (r 8 i 3 , Journal für Chemie und Physik, Bd. 7) ihre, undChladni selbst (r 8 r 5 , in G i l ber t's Annalen, Bd. 5 a) seine Meinung und Erfahrung darüber, und auch unser Herrv. Hammer erwähnte desselben bey Gelegenheit einer Muthmaßung über die orientalischen damascirten Klingen (> 8 i 5 , inden Fundgruben des OrientS , Bd. 4, daraus im Hesperus Heft g). Späterhin ward der Gegenstand vollends durch mich selbstin Gesprächen mit wissenschaftlichen Freunden, auf meiner Geschäftsreise nach Paris , i 3 l 5 , in Deutschland und Frankreich verbreitet, und in der Folge durch Mittheilung von einzelnen Blättern jener autographischen Abdrücke an einige »»einer Cor»respondenten, dort und auch in England noch genauer bekannt, und veranlaßte die Aeußerungen Gillet deLaumont's sssour.Aas Nines, Vol. 36 , 8apt. r 8 > 5 ), und Sömmerring's (in einer Vorlesung an der königl. Bayerischen Akadeinie derWissenschaften im Februar 1816, abgedruckt in der Lil-I. univoi«. und in Sch w eigg er's Journal für Chemie undPhysik, Bd. 20), Schweigger's (in dessen Journal, Bd. ig), und Leonhard's (indessen Taschcnbuche für Mineralo-gie, Bd. 12).
(2) Wird nähmlich ein Stück einer solchen Masse, und zwar bloß kalt und nur nach einer Richtung mehr oder weniger platt gehäm-mert, dann erst abgeschliffen, poliert und geätzt; so zeigen sich auf licht stahlgrauem matten Grunde nur wellenförmige undverschiedentlich gebogene und gekrümmte, nach verschiedenen Richtungen, und nur zum Theil parallel verlaufende, im Ver-laufe sehr ungleich begränzte, oft fleckartig ausgebreitete, erhabene Linien, und unregelmäßige, mehr oder weniger zusammen-hangende Winkelzüge von licht stahlgrauer, stark ins Silberweiße fallender Farbe und einigem Glänze. Wird ein solchesStück aber vollends heiß und nach verschiedenen Richtungen gehämmert; so erscheint eine höchst unvollkommene und verworren«