Buch 
Beyträge zur Geschichte und Kenntniss meteorischer Stein- und Metall-Massen / Carl von Schreibers
Entstehung
Seite
21
JPEG-Download
 

21

Es stellt derselbe eine wenig verschobene, und beynahe gleichseitig vierseitige Pyramide vor, deren etwas aus derMitte gerückte Endspitze durch drey neue, auf den Seitenflächen aufsitzende, unvollkommene Flachen schief zugespitztist. Die Grundfläche ist fast eben, und hat wenige große, seichte, breit verlaufende Eindrücke. Die von ihr mit denfast senkrecht aufsteigenden Seitenflächen gebildeten Kanten sind meistens etwas verdrückt und abgerundet, eine jedoch istsehr scharf, und bildet einen Winkel von Y0°. Eine Seitenecke ist besonders hervor springend, und nur wenig abge-rundet und auffallend ist die Aehnlichkeit der Grundfläche dieses Steines, zumahl in Hinsicht dieses Umstandeö, mit je-ner der zuvor beschriebenen Steine von Tabor, L'Aigle , und selbst von Lissa, so wie die der Form des Steinesim Ganzen, mit jener des Steines von Sie na.

Zwey Seitenflächen, welche unter einem Winkel von beyläufig 100° in eine ziemlich scharfe Kante zusammen sto-ßen , die mit den Kanten der Grundfläche jene hervor springende Ecke bildet, sind fast ganz flach und eben, nur etwasvertieft, und haben sehr wenige seichte, sanft verlaufende Eindrücke. Die zwey entgegen gesetzten Seitenflächen stoßenin eine stumpfere und verdrückte gemeinschaftliche Kante zusammen, und bilden ähnliche Kanten mit den vorigen Sei-tenflächen und mit der Grundfläche. Sie find convex, zumahl die eine derselben, und durch häufigere, zum Theil tiefeEindrücke, sehr uneben.

Die drey unvollkommenen Zuspitzungsflächen, wovon die eine, größere, fast gerade auf der einen gewölbteren Sei-tenfläche aufsitzt, und mit derselben eine sehr verdrückte, undeutliche Kante unter einem sehr stumpfen Winkel bildet,die beyden andern, kleineren, aber auf den etwas vertieften Seitenflächen schief, und so aufgesetzt sind, daß sie mitjener eine außer die Mitte fallende Zuspitzungö-Endkante bilden, wovon die abgebrochene Spitze die eine Ecke aus-machte, haben die Beschaffenheit der Oberfläche mit den correspondirenden Seitenflächen gemein.

Die Ninde (i) ist fast durchaus über den ganzen Stein von gleicher, und zwar von der gewöhnlichsten Beschaf-fenheit, wie sie an diesen Steinen überhaupt zu seyn pflegt, ziemlich gleich dick, dicht und fest, etwas fettig, undziemlich stark glänzend, rein dunkclschwarz, und von der rauhen, einfach und verworrenen, runzlicht-aderigen Art (A. a. 2.Gilbe rt'ö Annalen Bd. 31, S. 56); nur an den gewölbteren, unebenem Flächen nähert sie sich der blattförmig ge-zeichneten (ebcndas. A. a. 3), und ist hier matter, etwas weniger schwarz , und, wie es scheint, etwas dünner.

Sie ist nirgends abgesprungen, aber auch an keiner Stelle zeigt sich, trotz der bedeutenden Oberfläche dieser gro-ßen Masse, eine Spur von der unvollkommenen Art (ebendas. S. 58. D.).

Viele Runzeln und Adern, zumahl an den Kanten, sind stark erhaben, scharf und faltenähnlich. Säume derRinde finden sich an diesem Steine nirgendwo, wohl aber an den schärfern Kanten, wo die stark aderige Ninde vonzwey Flächen zusammen stoßt, deutliche Nähte.

Die Dicke derselben weicht, so wie überhaupt bey diesen Steinen im Allgemeinen, nicht von der gewöhnlichenDicke der Rinde an andern Meteor-Steinen ab, und beträgt im Ganzen ^ bis Linie.

Ihre Härte ist nur sehr gering, und nur schwer, und bloß an einzelnen Stellen (an diesem Steine wohl an garkeiner) lassen sich der Rinde dieser Steine überhaupt mit dem Stahle einzelne schwache Funken entlocken; eben so we-nig zeigt sie eine merkliche Wirkung auf die Magnetnadel; nur gepülvert bleiben einzelne Atome an der Spitze hängen.

Es zeigt sich zwar allenthalben an diesem Steine, in den Furchen und Vertiefungen des Adergeflechteö der Ninde,etwas Erde (2) eingedrückt, was bey dem tiefen und gewaltsamen Eindringen des Steines in das Erdreich, und beyden wiederhohlten Regengüssen, welche in der ziemlich langen Zwischenzeit bis zu dessen Auffinden Statt hatten, wohl

( 1 ) WaS die merkwürdige Beschaffenheit der Rinde an den Meteor-Steinen von Stannern im Allgemeinen, die auffallende Ver-schiedenheit derselben, nicht nur an verschiedenen einzelnen Steinen, sondern selb st oft, und zwar sogar gewöhnlich an einemund demselben Steine, und die große Mannigfaltigkeit hinsichtlich der besondern Beschaffenheit ihrer Oberfläche, und was end-lich die Folgerungen betrifft, die sich aus der genauen vergleichenden Betrachtung derselben ziehen lassen; so verweise ich aufdas, was Herr Professor von Scher er und ich im 3». Bande von Gilbert's Annalen darüber umständlich vorgebracht ha-be», und wozu die gegenwärtigen Darstellungen (zumahl die Figuren der fünften und sechsten Tafel) gewisser Maßen als ver-sinnlichende Belege dienen sollen.

( 2 ) Diese Erde läßt sich inzwischen selbst da, wo sie am festesten an- und eingedrückt zu seyn scheint, doch ziemlich leicht und ohneVerletzung der zartesten Adern und Runzeln, mit einer scharfen Bürste wegbürsten, und mit einem nassen Schwämme vollendsrein wegwaschen, so daß keine Spur in irgend einer Beziehung von ihrem früheren Daseyn zurück bleibt. Ein Umstand , derwohl, mit manchen andern Beobachtungen, sehr gegen die Annahme des flüssigen oder doch weichen Zustandes der Rinde,selbst noch im Momente deS Ausfallens der Steine, streitet.

F