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Beyträge zur Geschichte und Kenntniss meteorischer Stein- und Metall-Massen / Carl von Schreibers
Entstehung
Seite
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Ich wäre vvr der Hand geneigt, die Entstehung dieser Adern und Gange, hinsichtlich deö Momentes, für ganzgleichzeitig mit der Bildung der übrigen Steinmasse und der Bildung und Ausscheidung ihrer Gemengtheile, und, hin«sichtlich der Art, für ganz gleichartig mit jener der übrigen Gemengtheile, und insbesondere des noch mehr und be«zeichnetet ausgeschiedenen und in der Wesenheit noch weit mehr abweichenden olivinartigen zu halten; die Substanz der-selben aber für homogen mit der Stcinmasse, nur etwa mit einer kleinen Zustandöveränderung oder Modification in derArt der Ausscheidung, und dieselbe überhaupt zum Theil mit dem olivinartigen Gemengtheil, zum Theil mit jener Zu-standöveränderung der Steinmasse, von der sogleich die Rede seyn wird, für ein und dasselbe anzusehen.

Das andere Vorkommen der Steinmasse von ungewöhnlichem Ansehen findet sich, wie es scheint, nicht minderhäufig, und wo nicht immer, doch meistens auch bey jenen Steinen, wo obige Adern sich zeigen, so wie sich diese da-gegen nothwendig immer in irgend einer Richtung zeigen müssen, wo jenes Vorkommen Statt hat. Es besteht diesesaber in einex mehr oder weniger dicken und massiven Schichte oder Lage, gewöhnlich aber nur in einem äußerst feinenund dünnen Häutchen, oft nur zarten, durch die Steinmasse hie und da bisweilen selbst unterbrochenen Anfinge, voneiner Lichtern, scheinbar fremdartigen Masse, welche in Gestalt von größern oder kleinern, ganz unregelmäßigen, garnicht scharf begranzten Flecken, oder mehr oder minder breiten, bandartigen, oft sehr scharf abgeschnittenen Streifenauf einer Bruchfiäche erscheinen, und bisweilen dieselbe ganz bedecken, und die wie sich oft an derselben Bruchflächc,wenn sie groß und sehr uneben ist, noch mehr aber an entgegen gesetzten Bruchflachcn eines größer» Stückes zeigtganz nach Art jener Adern und Gänge, und auf ähnliche Weise hinsichtlich ihrer Ausdehnung in Bezug auf das In-nere und die Oberfläche deö Steines, in verschiedenen, nicht selten sich durchkreuzenden und schneidenden Richtungendurch die Steinmasse durchsetzen.

Es zeigen diese Flecke und Streifen, wenn sie sehr dünn und zart, zumahl anflugartig find, die gewöhnlichenUnebenheiten der natürlichen Bruchfläche des Steines, und ziehen sich gleichförmig über dieselbe hinüber; wenn sie abervon einiger Dicke sind, erscheinen sie ebener und glatter, und unterscheiden sich solcher Gestalt auffallend von der übri-gen Bruchfläche deö Steines. Im ersteren Falle haben sie gewöhnlich ein streifiges, bisweilen selbst ein, mehr oderweniger deutlich ausgesprochenes, obgleich unvollkommen schiefriges Ansehen, das selbst die Steinmasse angenommen zuhaben scheint; im letzteren aber eine Anlage zu blätterigen Ablösungen; in beyden Fällen endlich bilden sie mehr oderminder vollkommene, natürliche Absonderungsflächen, oder ähnliche Stellen, nach welchen sich der Stein auch leicht zuspalten scheint. Letzteres doch nur dann, wenn ein bedeutender Metallgehalt ins Mittel tritt. Die Masse selbst hat imfrischen Bruche, entweder, obgleich seltener, ein mattes erdiges, von der übrigen Steinmasse, zumahl dem olivinarti-gen Gemengtheil im unvollkommnercn Zustande, wenig verschiedenes Ansehen, und eine schiefergraue, ins Schwärzliche

haben, bey welchen sich daher am wenigsten Risse und Zertrümmerungen erwarten ließen, wie denn auch bey den meisten die-ser Meteor-Massen gar keine oder nur eine geringe Vereinzelung Statt fand (so fielen die Massen von Ensisheim , Chanton-nay, Aork und diese trotz ihrer bedeutenden Größe von Tippcrary, Apt, Sigena, ganz und »vereinzelt, die vonLaponas , Charsonville, Lissa, nur als zwey, drey oder vier Stücke herab); endlich, daß sie bisweilen in solchen Steinenvorkommen, bey welchen selbst die Außenrinde im Ganzen nur wenig oder unvollkommen gewesen zu seyn scheint (wie bey denSteinen von Ensisheim und Chantonnay). Bigot de Morogues wollte gefunden haben, daß die Substanz dieser Gänge(die er übrigens für ganz verschieden von der Rinde hält), wenigstens in den Steinen von Charsonville, ein bedeutend gerin-geres specifisches Gewicht hätte, als die übrige Steinmaffe. Er fand nähmlich jenes dieser letztem ^8,687, dagegen daSeines Stückes, worin eine Ader von jener Substanz vorkam, die, nach seiner Schätzung, etwa ^ deS Ganzen betrug, 3 , 635 , und berechnet nach diesem (übrigens höchst geringen Abstand und nach einem Calcul, gegen den sich viel einwen-den ließe) das eigenthümliche Gewicht derselben auf 8,692, und (auf gleiche Weise nach einer wahrscheinlich des zufälliggrößeren Eisengehaltes wegen höheren Gewichtsangabe der Steinmasse von Hauy ^ 8,712) gar nur auf 2,467, undwill daraus auf eine Ähnlichkeit dieser Substanz mit der Masse der Steine von Alais schließen. Die offenbar größere Dicht-heit dieser Ader-Substanz gegen die übrige Steinmaffe, bey übrigens ganz gleicher Beschaffenheit, gleichem Eisengehalte unds. w- machte mir jenen, dem an sich höchst «»verläßlichen Calcnle zum Grunde liegenden, reellen Befund selbst höchst unwahr-scheinlich, und ich wollte mich demnach durch eigene Wiegung ähnlicher Stücke von demselben Steine überzeugen. Ich fanddas specifische Gewicht eines 27«- Gran wiegenden, von Rinde sowohl als Ader-Substanz ganz freyen Stückes der Masse ei-nes SteineS von Charsonville8,67»; je,,ez dagegen eines 26 j Gran schweren Stückes von demselben Steine, welcheszwar keine Rinde, aber eine, über eine Li,«e breite, ganz durchsetzende Ader von jener Substanz einschloß, die wenigstens ^des Ganzen betrug (was demnach ein drey Mahl so auffallendes Resultat geben konnte, als das von Bigot de Moroguesuntersuchte), 3 , 658 .

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