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Beyträge zur Geschichte und Kenntniss meteorischer Stein- und Metall-Massen / Carl von Schreibers
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indem sie ziemlich genau dem Umrisse des Zackens entspricht. Die Gräuzlinie jener Felder folgt nähmlich allen Ecken,Krümmungen und Ausbuchten des Zackenrandeö, nur mit der Abweichung, daß sie nicht immer gleich weit vorn äußer-sten Rande sich entfernt, so z. B. in den Krümmungen einen verhaltnißmaßig kleineren Bogen, in den Ecken meistenseinen weit spitzeren und mehr gedehnten Winkel bildet; bisweilen macht aber doch der Umriß eines Feldes eine Krümmungoder Ecke, die jenem des Zackens nicht entspricht. Da nun der Saum den Rand deö Zackens oder die Kante derFlache desselben bildet und den Zwischenraum zwischen dieser und dem Felde ausfüllt; so folgt, daß derselbe ungleichbreit seyn müsse. Im Durchschnitte hat er eine Breite von ^ oder H Linie, oft jedoch kaum von Linie; dagegennicht selten, zumahl in den Krümmungen, von einer halben, und in den Ecken bisweilen selbst von einer ganzen Linie.

Wo die Fläche eines Zackens sehr schmal ist, wo nähmlich der Schnitt einen Seiten- oder Verbindungsast, oderdie Schneide eines liegenden Zackens traf, da zeigt sich kein Feld oder Kern, sondern die Säume von beyden Rändernstoßen zusammen und sind bloß durch eine zarte Linie getrennt; wie sich aber diese Fläche erweitert (was sehr oft beySeiten- und Verbindungsästen der Fall ist, indem sie sich gegen die Hauptstamme hin verdicken), so trennen sich diebeyden Säume und der Kern erscheint als ein grauer Strich, der nach Maßgabe der zunehmenden Breite der Flächeimmer breiter und endlich zu einem Felde wird, dessen Umriß wieder jenem der Fläche entspricht.

Da mir die Aetzung an diesem Stücke zu schwach schien, so ersuchte ich Herrn v. Widmannstätten, zum Be-hufe dieser Ausarbeitung an einem kleinen Stücke von diesem Eisen in meinem Besitze einige abgeschnittene Zacken stär-ker und bis auf jenen Grad zu ätzen, bis zu welchem jene Flächen obiger derber Eisen-Massen, um eines Abdruckesfähig zu seyn, früher von ihm selbst geätzt worden waren. Es zeigte sich nun, daß die Substanz des Kernes, dernun dunkler eisengrau erschien, ganz jener der Figuren oder Zwischenfelder , die des Saumes oder Außenrandes derZacken aber vollkommen jener der Streifen entspreche, indem sie nun nicht nur in eben dem Grade gegen erstere ver-tieft, sondern auch von ganz ähnlicher, zinkweißer Farbe und mit gleicher und zwar ziemlich grobnarbiger Oberfläche er-schien ; und daß endlich jene zarten Linien, welche zuvor zwischen Kern und Saum bemerkt wurden, vollkommen mit denEinfassungöleisten überein kommen, indem sie nun eben so erhaben und ganz von gleicher Beschaffenheit sich zeigten. Esfinden sich demnach auch an dieser Metall-Masse jene drey verschiedenartigen Substanzen, welche bey den derben Me-teor-Eiscnmassen das beschriebene Gefüge bilden, und zwar eben so deutlich ausgesprochen und scharf begränzt undganz von derselben Beschaffenheit, nur mit dem Unterschiede, daß sie hier nicht mit jener krystallinischen Regelmäßig,keit ausgeschieden und gegenseitig gelagert sind (i).

Die Oberfläche jener Zacken, welche nur fein poliert, aber nicht geätzt wurde (welches letztere am Don derN u l I'schen Stücke wie auch aus der Darstellung zu ersehen ist nur auf der einen Hälfte der abgeschliffenenFläche geschah), zeigt von dieser Trennung der Substanzen, in Kern und Saum, Feld und Einfassung, so wie ähn-lich behandelte Flächen an den derben Massen, noch keine Spur, sondern e§ hat dieselbe ein ganz gleichförmiges Anse-hen, gleichen spiegelichten Glanz, und eine durchaus gleiche,, sehr licht stahlgraue, stark ins Silberweiße fallende Farbe.

Die zerstreut und mechanisch eingemengte, bröcklig - körnige Substanz (das Schwefeleisen) zeigt sich aber hier wiedort und so wie bey jenen derben Massen, sehr deutlich und häufig, so daß sie hier wenigstens den sechsten Theil desgesammten Metall-Antheiles dieser Masse ausmachen dürfte, von welchem sie sich durch ihr körniges oder doch rissigesAnsehen, durch eine Zinkweiße, schwach ins Nöthliche ziehende Farbe und durch einen schwächer» Glanz auszeichnet. Siefindet sich theils in einzelnen kleinen und äußerst kleinen Körnern , theils in größern bröcklig zusammen gehäuften Par-tien, theils in dichtem, zart rissigen Massen, und zwar meistens am Rande der Zellen, welche durch die Metall-Zackengebildet werden und den Olivin einschließen, und die sie oft, entweder ganz oder stellenweise und abwechselnd mit demEisen und zwischen dieses gleichsam eingekeilt, gleich einer, obgleich ungleichförmigen Einfassung umgibt. Bisweilenbildet sie selbst ganze Nebenzacken, Seiten- oder Verbindungöäste von den Hauptzacken oder Stämmen des Eisens; injedem Falle ist sie aber immer durch eine zarte Furche von diesem geschieden.

(i) Ein mit einem zweyten ähnlichen Stücke von dieser Masse vorgenommener Versuch zum Blau-Anlaufen durch Erhitzung gabnicht nur ein vollkommen entsprechendes Resultat, sondern brachte auch eine Menge höchst zarter Linien Einfassungs- undSchraffirungsleisten zum Vorschein, die sich auf dem theils violetten theils dunkelblauen Grunde durch eine schön gold-gelbe Farbe auszeichneten, und die, wahrscheinlich ihrer Zartheit wegen, durch die Säure zerstört wurden, daher sich an demgeätzten Stücke nur hie und da Spuren davon finden. Und genau dasselbe zeigte ein Stückchen von jener sächsischen Masse.